Love is a Mixtape

„I feel like if I could solve that riddle, I could solve a lot of others.“ (aus Rob Sheffield – Talking about Duran Duran)
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Das Mixtape ist die Spotify-Playlist von vorgestern. Ich gehöre – wahrscheinlich gerade noch – zu einer Generation, die vor dem Radio gesessen hat, mit dem Finger auf dem Aufnahmeknopf, um das neuste Lieblingslied aus dem Radio aufzunehmen und sich ärgerte, wenn der Moderator mal wieder ins Endes des Liedes reingeredet hat. Oder die Aufnahme wurde durch eine Verkehrsmeldung in der Mitte unbrauchbar.

Mit Love is a Mixtape schafft Rob Sheffield es den Leser in die Zeit zurückzuversetzen, in der das Mixtape noch eine große Rolle spielte und beschreibt eindrucksvoll, was eine einfache Kassette für Erinnerungen bereithält – ohne dabei seine ganz eigene Geschichte aus den Augen zu verlieren.

Die Geschichte hinter diesem Buch ist fast so traurig wie der Roman selbst. Aber sie ist für mich definitiv ein Beispiel dafür, dass manche Bücher eine Überraschung sind, selbst wenn man anfangs dachte, sie werden der eigenen Leseerwartung nicht gerecht. Doch schließlich ist aus reinem Zufall etwas Unvorhergesehenes entstanden: in kürzester Zeit wurde dieser Roman in die Top 5 meiner Lieblingsbücher aufgenommen. Und das obwohl die Möglichkeit bestanden hat, dass ich es niemals lesen werde. Love is a Mixtape hat lange Jahre in den Tiefen einer Bücherkiste bei mir zu Hause verbracht, bevor ich es wiedergefunden habe.

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Der Roman erschien bereits 2007 und in diesem Jahr muss ich ihn in der Buchhandlung entdeckt und mitgenommen haben. Der Titel hat mich damals in seinen Bann gezogen und das Cover hat sein Übriges getan. Allerdings habe ich das Buch zu dieser Zeit nach 5-10 Seiten weggelegt. Irgendetwas hat mir nicht gefallen, ich kann leider nicht mehr sagen, was. Mit der Zeit ist es dann in einer Kiste mit anderen gelesenen Büchern untergegangen. Dass ich es noch einmal zur Hand genommen habe, hat dieses Buch sicherlich dem Umstand zu verdanken, dass es mit einem anderen Buch, das ich fürs Studium brauchte, in einer Kiste lag. Ich entschloss mich also diesem Buch die Gelegenheit zu geben meine vorgefertigte Meinung zu ändern. Eine sehr gute Entscheidung, denn ich verliebte mich – in ein Buch, in eine Geschichte, in zwei Menschen und in die schöne, aber traurige Liebe zwischen ihnen, die so viele glückliche Momente hatte. Die darauffolgenden Wochen nervte ich sogar alle um mich herum mit Auszügen und Anekdoten dieses Buches, weil es mir so gut gefiel. Ob sie nun wollten oder nicht, sie waren meinen Lobeshymnen widerstandslos ausgeliefert. Der Grund dafür war simpel, denn niemals hätte ich gedacht, dass mich dieses Buch auch nur im Geringsten so mitreißen könnte.
Von Seite zu Seite und von Jahr zu Jahr, welches in den Kapiteln behandelt wird, wuchs meine Begeisterung für diese Geschichte und die Art und Weise, wie sie erzählt wurde. Ein Mann, der über zwei verschiedene Arten der großen Liebe schreibt: Eine, die er verloren hat und eine, die ihm für immer bleibt. Die Liebe zu seiner ersten Frau und die Liebe zur Musik.
Spielend leicht bringt Rob Sheffield 20 Jahre Musikgeschichte in seinem Roman unter und verbindet sie mit einzelnen Songs und seinen persönlichen Erlebnissen aus der Zeit. Dabei beschreibt er kleine Einzelheiten so leidenschaftlich, dass man lachen, weinen und zustimmend nicken muss. Selbst, wenn man zu manchen Jahrzehnten noch gar nicht gelebt hat.
Da von Anfang klar an ist, dass es sich um eine autobiographische Geschichte handelt, kann man davon ausgehen, dass es tatsächlich passiert ist. Dadurch ergeben sich andere Erwartungen an die Handlung, als bei einer fiktiven Geschichte. Die Beschreibungen sind allerdings so lebensnah, dass man sie zu keinem Zeitpunkt des Lesens infrage stellt. Es ist dennoch keine komplette Autobiographie, die jedes Lebensjahr und -ereignis des Protagonisten darlegt; es bleibt themenbezogenen und konzentriert sich auf wesentliche Punkte. Durch ihn werden die damaligen Erinnerungen für kurze Zeit wieder lebendig. Die angesprochenen Lieder der Kapitel haben den netten Nebeneffekt, dass sie parallele Erinnerungen beim Leser, die ihn selbst betreffen, hervorrufen können und sich dann geschickt mit den Erzählungen des Autors vermischen.
Wenn Rob Sheffield über die Hauptperson, seine Renée, spricht, dann sieht man dieses Bild so klar vor Augen, dass man glaubt sie wirklich gekannt zu haben. Mir ist es nicht nur einmal passiert, dass ich in einzelnen Eigenschaften von ihr die meiner eigenen Freunde wiedererkannt habe. Was nicht bedeuten soll, dass Renée so gewöhnlich war, sondern vielmehr auf ganz spezielle Art besonders. Durch die herzliche Beschreibung ihrer Person bin ich mir ziemlich sicher, dass ich sie gemocht hätte. Oftmals habe ich den Wunsch gehegt die ein oder andere Situation aus ihrer Sicht geschildert zu bekommen – nur leider ist das nicht möglich.
Umso trauriger werden die letzten Kapitel, wenn Gewissheit wird, was auf dem Klappentext schon vorweg genommen wurde: Renée ist tot; gestorben in den Armen ihres Mannes, viel zu jung, ohne Vorwarnung, ohne Abschied. Erst auf den letzten Seiten, wenn man erfährt, dass Rob Sheffield nach einer langen und bewegenden Zeit der Trauer wieder eine Frau gefunden hat, die sein Herz berührt, gelingt es ein bisschen aufzuatmen. Ich habe mich für und mit Rob Sheffield ehrlich gefreut und er konnte seiner geliebten Renée eine sehr ergreifende Geschichte widmen, mit der es ihm doch noch gelingt eine geeignete Form des Abschiednehmens zu finden.Dieses Buch brachte mich zum Lachen, rührte mich zu Tränen und entließ mich schließlich doch noch mit einem Lächeln in die Realität zurück. Eine Geschichte, die zeigt, dass es wichtig ist, die kleinen Dinge des Lebens zu genießen. Alle Tage, die man besitzt und die Momente, die sie einem bescheren, ins Herz zu schließen und nicht mehr zu vergessen. Und vor allem die Liebe nicht loszulassen. Natürlich immer begleitet von ein bisschen Musik.
Es tut mir fast ein bisschen leid, dass so viel Zeit verstreichen musste, bis ich erkannt habe, wie wertvoll Rob Sheffields Roman für mich ist. Oder vielleicht war genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um diesen Buch für mich zu entdecken.
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