Nachtgedanken

d92e0-img_2518Ich komme nach Hause und es ist schon spät. Nicht ganz so spät, wie es hätte werden können, aber man ist ja vernünftig und denkt heute schon an das, was morgen noch zu tun ist; man tun kann. Der Abend war schön. Ich habe viel gelacht, war glücklich und auch ein bisschen nachdenklich.

So wie jetzt, ich denke nach. Darüber, wie schnell sich von einem Tag auf den anderen alles ändern kann. Sogar in der nächsten Sekunde kann alles anders sein. Schon die kleinsten Dinge; man kann gar nichts dagegen tun. Dann ist alles, was man morgen vorhatte, irgendwie egal… Oder nein, vielleicht nicht ganz egal, aber plötzlich rücken andere Pläne in den Vordergrund, andere Richtungen werden eingeschlagen. Dann steht man vor anderen Fragen an den Tag, an die Welt und an das Leben. Ein Risiko, das wir mit jedem neuen Tag eingehen: Keine garantierte Sicherheit zu haben. Allerdings ist das nicht zwingend negativ, denn Ungewissheit bedeutet letztendlich nur, dass man noch keinen Plan für morgen hat. Nicht, dass es überhaupt keinen geben wird. Mit dieser Verantwortung, die man für sein eigenes Leben hat, muss man umgehen. Ich lebe gerne.

„Take my hand, let’s see where we wake up tomorrow
Best laid plans sometimes are just a one night stand“
(Maroon 5 – Lost Stars)
Ich blicke in den Nachthimmel hinauf. Er ist gar nicht in so dunkles Blau gehüllt, wie ich erwartet hätte, und die kleinen Wolken, die ihn zieren, sind gut zu erkennen. Dieses ruhige Bild sieht schön aus, ein Gefühl von Zuhause. Denn es ist so, dass ich diesen Abschnitt des Himmels am meisten in meinem Leben gesehen habe, da ich mich hier immer noch am wohlsten fühle. Ich frage mich, wie andere Leute den Himmel sehen? Finden sie das, was sie sehen schön oder langweilt sie dieser Anblick, weil sie gerne von anderen Orten der Welt in den Himmel hinaufschauen würden? Wie viele Menschen auf der Erde stehen genau in diesem Moment da und betrachten diese Aussicht?
Leider kann man heute keine Sterne entdecken. Schade. Ich sehe gerne zu, wie sie geduldig und unermüdlich über uns leuchten, obwohl es einige von ihnen schon gar nicht mehr gibt. Deswegen mag ich diese ländliche Gegend. Hier ist es nie so stark beleuchtet wie mitten in der Stadt, so dass ihr Glühen nicht ganz verborgen bleibt. Und mit ihnen diese unendliche Weite, die im Laufe der Zeit so viele Fragen aufgeworfen hat. Nicht zuletzt, wer wir sind und woher wir kommen; und wann…
Damit wären wir bei der Zeit. Es geht immer darum. Wann wir irgendwo sein müssen, seit wann wir schon etwas machen, wie lange das dauert und wann wir endlich etwas Neues beginnen können. Alles muss schnell gehen. Aber ich frage mich, ob wir manches nicht ein wenig entschleunigen könnten? Wenn wir mal mehr Zeit an einem bestimmten Ort verweilen, ohne an das Davor oder das Danach zu denken. Den Moment genießen, zur Ruhe kommen und zuhören. Den Menschen, die noch etwas zu sagen haben. Über das Leben; echte Geschichten. Nicht immer selbst erzählen. Von sich. Natürlich hat jeder etwas, das es wert ist erzählt zu werden, aber das bringt gar nichts, wenn niemand da ist, dem man es erzählen kann. Außerdem können wir aus den Erzählungen anderer noch so viel lernen. Sogar über uns selbst. Dazu müssen wir bereit sein. Uns einlassen auf das, was jemand erzählt. Diese Zeit, die nur dafür da ist, um alles auf sich wirken zu lassen und zu erkennen, welche Schlüsse man daraus ziehen kann. Ich möchte zuhören.
Mir geht so einiges im Kopf herum, als ich die wenigen Stufen zu unserer Eingangstür hinaufgehe. Ich atme noch einmal tief ein und wieder aus. Die ruhige, klare Nachtluft. Dann stecke ich den Schlüssel ins Schlüsselloch und trete ein, in mein Zuhause.
Was mir der zukünftige Tag bringt? Ich weiß es nicht.. Aber ich bin hier und möchte auch morgen noch hier sein, um all die Dinge zu tun, die ich mir vorgenommen habe und will offen sein für all das, was mir noch gar nicht bewusst ist. Es ist ein schöner Gedanke. Für heute genügt mir das.
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