K. A. Milne – Lieblingslied

Autor: K. A. Milne
Titel: Lieblingslied
eBook:  384 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Blanvalet (Dezember 2012)
ISBN: 978-3-641-09219-1
Link zum Buch

„Die Erfahrungen eines langen Lebens – manche gut, manche verdammt unfreundlich – haben mir gezeigt, dass die richtigen Worte, mit der richtigen Musik, zum richtigen Zeitpunkt die Wunden der Seele heilen könnnen wie sonst nichts auf der Welt. Kommt dir das nicht auch wie Zauber vor.«
Ich nickte eifrig. »Ich möchte ein Zauberer werden – einer wie du Großvater.«“ (S. 101)

Anna und Ethan – Ein Lied wie der Takt eines Herzschlags oder die Sekunde eines Atemzugs; über die Geschichte einer großen Liebe und den Glauben an die besondere Magie der Musik. Darüber, was mit Träumen passiert, die auf die Realität treffen; was es heißt unterschiedliche Wege zu gehen und doch immer zu versuchen, glücklich zu sein. Wie das wahre Leben.

Wie eine Melodie, die den Text unterstreicht

 

Der Straßenmusiker und die Kunststudentin.
Am Anfang dieses Liedes stehen zwei junge Menschen, deren Herzen voller Liebe und großer Träume sind. Was sie verbindet ist eine große Leidenschaft für die Kunst und den Glauben aneinander.
Sie sind dazu gemacht ihr Leben miteinander zu verbringen – zumindest sieht zunächst alles danach aus. An ihrem Hochzeitstag geben sie sich ein Versprechen: Ethan soll Anna so oft es geht auf seiner Gitarre, die den Namen Karl trägt, etwas Vorspielen und als Gegenleistung steckt sie ihm danach einen Liebesbrief zwischen die Saiten. Doch die Widerstände des Lebens zehren an ihren Kräften und es wird immer schwieriger sich der Realität gemeinsam zu stellen. Somit gelangt auch Ethans weiteres Versprechen, seiner Frau ein Lied zu schreiben, immer weiter in den Hintergrund. Dabei wünschte ich ihnen als Leser die großartige, glückliche Liebesgeschichte, die sie verdient hätten.

Die ungeordneten Bahnen ihres Lebens zeigen, dass Träume sich manchmal nicht so erfüllen, wie man sich es vorgenommen hat. Trotzdem werden sie immer Teil des Lebens sein und zumindest im Kleinen etwas bewegen können.Wenn man sich auf eine Geschichte einlässt, hofft man einschätzen zu können, welche Reaktion man erwarten kann. Bei diesem Roman war es definitiv anders. Dieses Buch habe ich nicht einfach nur gelesen, sondern konnte seine Geschichte von Beginn an fühlen. Deshalb war es manchmal schwer die richtigen Worte zu finden, weil es mich sprachlos werden ließ.„Das passiert eben.“ ist einer dieser Sätze, der so oft auf einen ihrer Schicksalsschläge folgt und die Geschichte und seine Protagonisten immer wieder belasten. Dieser kleinen Familie passieren so unfassbar viele Dinge „einfach so“, dass es dem Leser genauso schwer fällt wie Ethan an den reinen Zufall zu glauben. Trotzdem schafft es der Autor den Umgang mit den Protagonisten so sympathisch, lebensnah und herzlich zu gestalten, dass man sie nicht für etwaige Fehler verantwortlich macht, sondern realisiert, wie es dazu kommt. Der Beobachter, der gegen den Verlauf nichts tun kann, leidet mit ihnen und empfindet immer abwechselnd Rührung, Enttäuschung, Trauer und Wut. Doch es gibt diese kleinen Lichtblicke, die erkennen lassen, dass es in dieser Geschichte an Glücksmomenten nicht fehlt. Bei jeder neuen Wendung, die vielleicht positiv ausgehen könnte, schöpft man selbst Hoffnung und erlebt zusammen mit den Romanfiguren, welche Wendung sie manchmal nehmen.

Quasi von einem auf den anderen Tag gelangt Ethan an den Abgrund, über den er nicht mehr springen. An diesem Punkt beschließt er aufzugeben, weil er nicht mehr weiß, welche Mittel ihm noch bleiben, um weiterzukämpfen. Er kennt zwar immer noch sein Ziel, sieht aber keine Möglichkeit mehr es zu erreichen, weil ihm sein komplettes Fundament weggerissen wird. In der Musik findet er ebensowenig den Halt, den er am meisten braucht, denn er ist so verzweifelt, dass er sie mit dafür verantwortlich macht. Noch mehr, er möchte alles loswerden, was ihn damit verbindet – besonders seine Gitarre. Er kann den Zauber der Musik, den er als Kind so geschätzt hat, nicht mehr spüren.
Einzig die Unterstützung seines Großvater scheint noch helfen zu können. Er war es, der ihm damals die Musik als Ausdrucksform näherbrachte und die Gitarre Karl an seinen Enkel weitergegeben hat. Nun ist er bereit ein wohlgehütetes Geheimnis zu lüften: Wie Karl in seinen Besitz kam.
Die Geschichte der Gitarre, die im Zentrum des Romans steht, ist beeindruckend und berühend zugleich, obwohl sie mit viel Leid verbunden ist. Sie ist ebenfalls ein Ausdruck der Hoffnung, denn sie konnte das Leid, in das sie verwickelt war, immer ein bisschen mildern.
Ohne, dass er es ausspricht, hofft er, mit dieser Erzählung aus der Vergangenheit etwas Verborgenes in Ethans Innerem wachrütteln zu können. Nämlich den verlorenen Glauben an die Musik. Und er wünscht sich, dass sich Ethan an sein einstiges Versprechen erinnert und wenigstens dieses eine Lied für Anna schreibt, bevor es zu spät ist.

„Aber, wenn man einen Song für die Liebe seines Lebens schreibt, spielen all diese Dinge keine Rolle. Gut und schlecht gibt es nicht. Es gibt nur die Gitarre in deinen Händen, die Noten in deinem Kopf, die Worte, die du singst und die Liebe, die dich erfüllt.“ (S. 261 f.)

Diese Geschichte hinterlässt, aufgrund des sorgsamen Umgangs mit ihr, keinen bitteren Beigeschmack. Obwohl man als Leser immer wieder ins Zweifeln gerät, zeigt sie, dass es sich lohnt, mutig zu sein. Und damit den Mut zu haben, diesen Roman bis zum Ende zu lesen und herauszufinden, was es bedeutet niemals aufzugeben. Denn egal, an welcher Stelle man sich in diesem Buch befindet, es hält immer eine Überraschung bereit.
Es gibt nie nur schöne Momente im Leben, aber man lernt, sie zu schätzen mit jeder Erfahrung, die man macht. Dieser Roman erzählt, was den Zauber der Musik bei jedem persönlich ausmachen kann. Dieser Funke Magie war schon immer da und besitzt Fähigkeiten, die wir nicht kontrollieren können. Ihr Bann kann Dinge bewirken, die niemand erwartet und Emotionen auslösen, die längst verloren geglaubt waren. Sie vermag es den Ansporn zu geben, wenn man längst vergessen hat, auf die eigene Persönlichkeut zu vertrauen. Sie kann uns in Abgründe stürzen, besitzt jedoch genauso viel Kraft uns wieder herauszuholen. Musik macht uns Mut und lässt uns durchhalten. Sie begleitet auf einem Weg, der zu gehen ist. Man kann mit ihr lachen und gleichzeitig weinen. Wenn wir die Musik in unser Leben lassen, ist sie eine Konstante. Man braucht einfach nur ein Lieblingslied.Danke, dass es dieses Buch gibt und ich es lesen durfte!

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2 Gedanken zu “K. A. Milne – Lieblingslied

  1. Lieber Henrik,

    Danke für deinen Kommentar. 🙂
    Ich kann dieses Buch jedem wärmstens ans herz legen, der einen gewissen Bezug zur Musik hat und einfühlsame Geschichten mag. Vor allem, weil ich vorab eine ganz andere Handlung bei deinem Roman erwartet hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass es so ergreifend und mitreißend ist.
    Ich würde mich freuen, wenn es auch anderen so geht wie mir.

    Liebe Grüße,
    Lauretta

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  2. Liebe Lauretta,

    deine Rezension ist wirklich sehr schön geschrieben. Würde ich das Buch auf meiner Wunschliste haben und nicht wissen, ob ich es wirklich lesen sollte, wäre der Zeitpunkt jetzt gekommen. Die Geschichte verspricht echt etwas besonderes zu sein.

    Liebe Grüße
    Henrik

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