Colleen Hoover: Weil ich Layken liebe

Eigentlich stand dieser Roman unter keinem guten Stern, denn er hat von vorneherein schon zwei Schwachstellen, welche mich im Normalfall davon abhalten würden, überhaupt zu diesem Buch zu greifen. Da ich jedoch Colleen Hoover als Autorin kennen lernen wollte, sollte diese Geschichte den Anfang machen.

Diese Lehrer-Schüler-Problematik ist etwas, worüber ich eigentlich keine Geschichten lesen möchte. Denn immer, wenn sie auftaucht, wird mit  moralischen Grundsätzen gespielt, die meistens nicht bis zum Ende ausdiskutiert werden. Vielmehr wird versucht sie zu umgehen, sodass es trotzdem als „richtig“ dargestellt wird. In diesem Roman entwickelt sich die Thematik zu einem Selbstläufer, was daraus resultiert, dass der Altersunterschied zwischen den beiden Protagonisten nicht sehr groß ist und Layken nur noch ein Jahr die Highschool besuchen wird. Sie ist bereits 18 und besitzt eine geistige Reife, bei der sie weiß, was sie tut und Will, in den sie sich verliebt, ist eigentlich Referendar und gerade mal drei Jahre älter als sie.
Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Handlung auch ohne diese Konstellation funktioniert hätte, da genügend andere Themen vermeindlich zwischen den Charakteren stehen.

Der andere Punkt ist, dass ich mit Poetry Slam leider nichts anfangen kann. Schon oft habe ich versucht mich den Texten und ihrer Darstellungsart zu nähern, bin aber jedes Mal gescheitert, weil es mich nicht erreichen konnte. Hinzu kommt, dass Gedichte allgemein nicht meine präferierte Textart sind. Ich gebe zu, dass ich dem Roman dafür eine ganz schlechte Voraussetzung geboten habe, um mir zu gefallen. Trotzdem habe ich festgestellt, dass sich Poetry Slam wesentlich angenehmer liest, als dabei zuzuhören. Nicht zuletzt konnte Will als Figur dieses Roman einiges dazu beigetragen, dass ich den Slamtexten meine Aufmerksamkeit gewidmet habe.
Ich schätze Will dafür, wie diese Art der Texte für ihn zu etwas Wichtigem wurde und wie er – selbst, wenn es Poetry Slam ist – darin aufblüht und in der Lage ist, Dinge zu beschreiben. Für mich war es vergleichbar mit einem Musiker, der seine Stücke auf einer Bühne präsentiert.

Ich meine damit, dass es keine Rolle spielt, ob du den Schmerz, der dich letztes Jahr zu einem Stück inspiriert hat, heute noch so spürst oder nicht. Dass du mit dem, was du jetzt schreibst, in fünf Jahren möglicherweise jemanden in seinem tiefesten Inneren berührst – das ist der Sinn von Poesie. (S.266)

Wills Blickwinkel für Poesie und ihre Wirkung ist bemerkenswert. Unbewusst fragt man sich, was man von der Litertaur, die man liest, erwartet? Für den Autor und den dazugehörigen Leser besteht ein nahtloser Übergang von der Ausdrucksform in das Gefühl, in dem man sich wiedererkennt. Das ist genreübergreifend. Denn es sind die guten Geschichten, die unvergesslich werden, deren Spannung man in sich selbst erlebt, bei der man Tränen der Rührung versucht zu unterdrücken oder bei der man mit der märchenhaften Liebe der Charakteren dahinschmelzt. Dabei zählt nicht, ob der Autor seine Handlung genau so erlebt hat, sondern nur, dass er dieses Gefühl kennt und er sich bewusst ist, was man damit alles anrichten kann. Dadurch ist er in der Lage dieses Gefühl aus den Buchseiten hinauszutransportieren und es dort an seinen Leser zu übergeben und entfalten zu lassen.

Somit ist Poetry Slam in diesem Roman ein Element, das die Protagonisten miteinander verbindet und eine emotionale Basis zum Leser schafft. Das hat dem Roman für mich letztendlich eine Besonderheit gegeben.

Hat jemand von euch einen Tipp für mich, welches Buch von Colleen Hoover man unbedingt lesen muss?


P1080058Autor: Colleen Hoover
Titel: Weil ich Layken liebe
Originaltitel: Slammed
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Sprache: Deutsch
Seiten: 353 Seiten (eBook)
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (November 2013)
ISBN: 978-3-423-42134-8
Link zum Buch

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5 Gedanken zu “Colleen Hoover: Weil ich Layken liebe

  1. Pingback: Menschen, die ich gerne treffen würde #4 – weibliche Autorinnen |

  2. Mir ging es mit den Poetry Slam-Texten genau andersrum als dir. ^^ Beim Lesen von Weil ich Layken liebe fand ich diese Stellen langweilig und habe nicht viel mit ihnen anfangen können. Irgendwann habe ich die Geschichte nochmal als Hörbuch gehört und da kamen die Slams um einiges besser rüber. Also ich höre die Slams lieber, als sie nur zu lesen.
    Ich kann die Hope Forever empfehlen, meiner Meinung nach Hoovers bestes Buch. =)

    LG,
    Julia

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Julia,

      die Art der Darstellung ist leider das, was ich am Poetry Slam nicht mag, deswegen war es für mich besser, es zu lesen. Da es darauf beim Poetry Slam natürlich in gewisser Weise ankommt, kann ich verstehen, dass das Hörbuch eindrucksvoller ist.

      Danke für den Tipp! Ich werde es mir mal ansehen.

      Liebe Grüße,
      Lauretta

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