Ich gehe, um wiederzukommen.

Federleicht: Anpassungsfähig

Über sieben Jahren lang fand man mich als Zuschauerin vor den Konzertbühnen in der Umgebung. Doch in der letzten Zeit ist es weniger geworden. Stetig hat sich die Lustlosigkeit eingeschlichen. Manchmal war ich auf einem Konzert, obwohl ich gar nicht hinwollte – weil es eben immer so war. Eine Pflichtveranstaltung, bei der erwartet wird, dass ich anwesend bin. Aber von wem?

Irgendetwas ist anders als früher. Das merke ich immer deutlicher an Kleinigkeiten. Schon seit Wochen fragt mich eine Freundin, ob ich mit ihr und meiner besten Freundin eine bestimmte Band anschauen möchte. Ich habe mir die Band noch nicht einmal angehört und weiß doch, was ich ihr letztendlich antworte. Ich werde nicht mitgehen – ganz egal, ob mir die Lieder nun gefallen oder nicht. Obwohl ich diese Entscheidung getroffen habe, fiel es mir schwer, zu formulieren, was überhaupt los ist. Als mir heute meine beste Freundin einen individuell zusammengestellten Veranstaltungskalender schickte, wusste ich es. Die Bands, die auf dieser Liste zu finden sind, passen genau zu meinem Musikgeschmack und einige der Musiker laufen auf der Playlist meines iPods rauf und runter. Ich mag sie, ihre Stimmen, ihren außergewöhnlichen Sound. Einige würde ich zum ersten Mal sehen, andere wären alte Bekannte. Doch ich muss ehrlich sein, denn mir reicht das nicht mehr. Bei dem Gedanken, diese Künstler live zu erleben, ist da einfach gar nichts mehr. Eine Leere, die ich noch immer nicht ganz greifen kann. Ich möchte auf kein Konzert gehen.
Natürlich kann man nicht sagen, dass ich auf den letzten Veranstaltungen keinen Spaß hatte. Es waren immer schöne Nachmittage und Abend mit Freunden, doch eine richtige Freude wollte sich nicht einstellen.

Meine Erinnerung ist voller wunderbarer Konzertmomente, die ich in meinem Herzen überall hintragen werde. Ich fühlte mich wohl, während ich mich in einzelne Lieder verliebte. Wie man so schön sagt, sind das die Erlebnisse, die ich meinen Enkeln erzählen möchte und keines davon würde ich gegen ein anderes eintauschen wollen. Von Reue oder ähnlichem will ich absolut nicht sprechen. Jedes Mal aufs Neue hatte ich dieses unbestimmte Gefühl, dass ich etwas erleben würde.

He becomes an echo of some one else’s music, an actor of a part that has not been written for him. The aim of life is self-development. To realize one’s nature perfectly- that is what each of us is here for.

Oscar Wilde – The Picture Of Dorian Gray, Chapter 2

In diesem Zitat des großartigen, englischen Schriftstellers fühle ich mich in gewisser Weise verstanden. Aus einer begeisterten Konzert-Gängerin wurde ein bloßes Echo vergangener Songs; für mein Drehbuch blieb mir selbst nur die Statistenrolle.
Was ist also passiert?
Die Musik ist immer noch abwechslungsreich, begleitet mich durch meinen Alltag, motiviert und inspiriert meine Schreibprozesse, ist immer wieder ein Aufhänger für ein gutes Gespräch und bleibt somit alles, was sie schon immer war. Trotzdem begleitet mich die Empfindung, dass mir etwas fehlt, was ein Konzert eines beliebigen Künstlers zu etwas Besonderem macht. Ich wünsche mir, dass sie wieder zu etwas werden, was nachhaltig ist, was mich in meinem tiefsten Inneren mitreißt und ein aufgeregtes Bauchkribbeln hinterlässt.
Um das wiederzubekommen, brauche ich eine Pause. Solange, bis ich es wieder fühlen kann.

Ich werde nicht suchen und hoffe trotzdem, etwas zu finden. Irgendwann wird mir wieder ein Künstler begegnen, dessen Stimme, Texte oder Art von Musik mein Herz bewegt. Davon bin ich überzeugt.
Ich liebe Musik und das wird sich nicht ändern. Es ist also ein Abschied, aber nicht für immer. Ich werde zurückkehren zu den großen und kleinen Bühnen. Und bis es soweit ist, muss ich diese Welt entdecken.

We had some good times, didn’t we?
We had some good tricks up our sleeve
Goodbyes are bittersweet
But it’s not the end
I’ll see your face again

One Direction – Walking In The Wind

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2 Gedanken zu “Ich gehe, um wiederzukommen.

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