Dazwischen: Liebe

Was willst du eigentlich hier?
Willst du eigentlich irgendwas von mir?
Oder bist du einfach nur so da, so wie all die Anderen auch?

Mikroboy – Irgendwie unangenehm

Wenn man wie ich mit Disneyfilmen groß geworden ist, wird einem oftmals eine unrealistische Vorstellung von Liebe nachgesagt. Das kann ich, wenn überhaupt, nur bedingt bestätigen. Schließlich lernt man schnell genug, dass sich in den richtigen Momenten kein schlauer Dalmatiner namens Pongo um die eigenen Beine und die des Angebeteten legt, um als potenzieller Wingman zu fungieren. Trotzdem glaube ich an die wahre Liebe, die sich in allen Variationen kitschig beschreiben lässt.

Der Mann, den ich dafür vorgesehen habe, ist nicht (hingegen der Meinung einiger meiner Freunde) festgelegt auf die Attribute groß, Musiker, am liebsten mit Gitarre, und vor allem unerreichbar. Na gut, fairerweise muss ich wohl eingestehen, dass ich bisher viel dafür getan habe, dass es genau so aussieht. Aber, um es an dieser Stelle in den Worten von Hugh Jackman in dem Film Australia zu sagen: „Nur weil es so ist, heißt das nicht, dass es auch so bleiben muss.“
Es ist schließlich so: Zwischen dieser träumerischen Vorstellung und einer realen Person besteht ein großer Unterschied und das bedeutet, der Mann, der am besten zu mir passt, zeichnet sich durch ganz andere Eigenschaften aus. Aber das kann man eben erst wissen, wenn man ihm wirklich begegnet.
Die Zeit dazwischen ist gefüllt mit: Warten, Signale senden, abblocken, suchen, vermeintlich finden und dann doch wieder verlieren.

Schiff

Und plötzlich steht er da, ein perfekter Mann für das Dazwischen. Dieser ganz bestimmte Typ, mit den zu langen Haaren, der löchrigen Jeans und definitiv zu vielen Tattoos. Man weiß genau, dass man ihn niemals seiner Mutter vorstellen wird, erst recht stellt man sich nicht das restliche Leben an seiner Seite vor. Er ist keiner dieser Bad Boys, in deren innere, dunkle Seite sich manche verlieben, weil sie glauben, ihn ändern zu können. Nein, es ist jemand mit einer ausdrucksstarken Persönlichkeit und einem guten Herzen.
Und nur ein Gedanke, der greifbar gemacht werden kann: „Hoffentlich hat er einen guten Musikgeschmack!“

Ein Blick, der eine ganze Welt verändert. Nämlich meine.
Es ist seine ganz bestimmte Art, wie er einen mit seinen grünen Augen ansieht, als würde er Dinge sehen, die anderen verborgen bleiben. Respektvoll und ehrlich; und für einen kleinen Augenblick ist man die einzige Person für ihn. Er betrachet sein Gegenüber so wirkungsvoll, als wollte er sich jedes kleine Detail einprägen, um sich später daran zu erinnern. Außerdem ist da jedes Mal dieses kurze Blitzen, wenn er etwas Schlaues sagt und wartet, dass jemand darauf reagiert. Trotz alldem ist er kein offenes Buch und es gibt Momente, da ist er verschlossen und man kann nichts in seinem Gesicht lesen.
Wenn er lächelt, ist es das breiteste, offenste und warmherzigste Lächeln, das ich je gesehen habe. Ein Ausdruck, der sich in seinem ganzen Gesicht widerspiegelt; von den Grübchen bis hin zu seinen glänzenden Augen. Es ist anstreckend und so kann man nicht anders als mit einzustimmen, selbst wenn man sich gerade nicht danach fühlt. Er hat einen großartigen Humor, obwohl er die schlechtesten Witze auf der ganzen Welt erzählt.
Wie er von Dingen spricht, die er gerne macht, zieht einen in seinen Bann, sodass man ihm ewig zuhören möchte. Auch, wenn er dabei manchmal leicht nervös wird, weil ihm wichtig ist, dass man ihn als die Person anerkennt, die er ist. Es sind die kleinen Dinge, die er nicht sagt, sondern nur in die einzelne Betonung seiner Worte legt.
Er ist eine Person, die man sich in seiner Umgebung wünscht, denn von einer Sekunde auf die andere ist er in der Lage etwas vollkommen Verrücktes zu machen, einfach aus einem Impuls heraus. Mit ihm wird es niemals langweilig.
Er ist nicht perfekt, aber genau richtig… Eine Schwärmerei – denn jetzt passt er in mein Leben. Für den Moment können wir gemeinsam die Welt entdecken. Wir können uns gegenseitig von unseren Träume erzählen und versuchen sie wahr werden zu lassen. Ich bin froh, dass es ihn gibt und genieße die Tage, an denen ich ihn kennenlernen darf. Denn es gibt so vieles, was ich noch nicht weiß.

Im Laufe der Zeit trifft man mehrere solcher Menschen. Sie stehlen sich einige Augenblicke, doch man überlässt sie ihnen nur zu gerne. Manchmal hat man das Glück und lernt sie kennen, oft reicht ihre bloße Anwesenheit aus. Dann müssen sie nicht mal wissen, dass es einen gibt, sondern es genügt, dass sie da sind, und schon ist alles um einen herum irgendwie heller, lauter und bunter, aber auch mal ganz leise.
Man kann nie genau sagen, wie lange dieser Zustand anhält. Tage, Wochen oder Monate, vielleicht sogar Jahre? Doch, wenn es vorbei ist, sollte man sich nicht fragen müssen, was diese Episode im eigenen Leben zu suchen hatte. Zurückblickend wird man sich an sie und die Freude, die sie hinterlassen haben, erinnern. Wenn man nämlich kurz inne hält und darüber nachdenkt, wird einem klar, dass so das Leben ist. Wir finden nicht nur einen Menschen, dem wir ein Stück unseres Herzen schenken können, es gibt nicht nur eine einzige Person, die zu uns passt.
Deswegen habe ich heute Abend sozusagen ein Date mit dem Leben. Bis mir die große Liebe begegnet, warte ich auf diese kleinen Lieben, die mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern und dafür sorgen, dass ich glücklich bin.

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2 Gedanken zu “Dazwischen: Liebe

  1. Liebe Lauretta,

    ich bin wie verzaubert von deinem Artikel, von deinen Worten, von den Emotionen, die zwischen den Zeilen stecken. Ich kenne dieses Gefühl auch. Ich habe mein „Dazwischen“ mittlerweile gefunden, nach einer langen Reise mit viel „Hinnehmen“, Resignation ob des „Nichtandersverdienthabens“, mit „Himmelhochjauchzendverliebtsein“ und nach kurzer Zeit „Herzgebrochengefühlen“ bin ich angekommen.

    Es hat lange gedauert, es kostete viel Kraft und bedurfte vieler Umwege, doch jetzt bin ich glücklich. Zumindest diese Form von Glück im Leben war mir gegönnt. Ich habe eine Familie, die mich lieb hat, egal wie schwer die Zeiten sein mögen. Darauf besinne ich mich immer wieder, wenn es mal wieder dunkel um mich herum wird.

    Diese Person, die du beschreibst, ist ziemlich genau das, was ich auch in meinem Herzmann sehe. Jeden Tag, wenn ich ihm in die Augen sehe, bin ich unendlich dankbar, dass wir uns gefunden haben. Für mich ist er perfekt, so wie er ist.

    Danke für diese Gedanken, die du mit uns teilst. Das traf bis ins Herz ♥

    Liebe Grüße an dich!
    Sandra

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sandra,

      es freut mich, dass dich meine Worte erreichen konnten. Wie schön von dir und deiner positiven Geschichte zu hören! Ich bin immer noch berührt von der Beschreibung all deinen Stationen, die letztendlich zu einem guten Ende geführt haben.
      Familie ist wirklich das wichtigste, was man hat, da kann ich dir nur zustimmen. Sie ist immer da, wenn man sie braucht und man kann mit ihr alle Momente teilen.

      Danke nochmal,
      Lauretta

      Gefällt 1 Person

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