Kaleidoskop

Hurts-Bild

And you hypnotize me like no other
Mesmerize my mind in colors
So let the night bring us together again

Hurts – Kaleidoscope

Von außen betrachtet wirkt ein Kaleidoskop wie ein unscheinbares, bemaltes Rohr. Trotzdem weiß jedes Kind, welche bunten Farben und Formen sich in seinem Inneren verbergen. Mit nur einem einzigen Blick durch die Öffnung, taucht man in eine Welt voller vielfältiger Strukturen ein, die sich fließend aufeinander zu bewegen oder sich wieder entfernen. Wie von selbst werden vielzählige Bilder kreiert, die ihre ganz eigenen Geschichten immer wieder neu erzählen. Durch die verschiedenen Formationen kommt zusammen, was zusammen gehört. Dieser kleine Kosmos dreht sich um sich selbst. Im übertragenen Sinne um mich. Um alles.

Ich bin dabei.
Schneller als ich diesen klaren Gedanken fassen konnte, tippten meine Finger die Worte in das Eingabefeld auf dem Display. Ich habe gerade zugesagt auf ein Konzert zu gehen. Kurz starrte ich auf meine Worte, doch es änderte sich nichts. Sie verschwinden nicht oder entpuppen sich als eine Täuschung.
Eigentlich ist dieser Gesprächsverlauf nicht ungewöhnlich, denn er hat zum wiederholten Mal genau so stattgefunden. Doch es ist das erste Mal seit vier Wochen, dass diese Frage nun wieder im Raum steht – ohne als solche formuliert worden zu sein.
Niemand hat mit meiner Aussage gerechet, also waren meine beste Freundin und ich gleichermaßen erstaunt. Schließlich mache ich gerade eine Konzertpause, was bedeutet, dass ich mich eine zeitlang nicht mehr in den Konzerthallen dieser Welt aufhalten möchte. Mein Bauchgefühl entschied sich an diesem Tag dennoch dafür. Und das irrt sich bekanntlich nie. Bereut hätte ich lediglich, wenn ich nicht darauf gehört hätte. Plötzlich fühlte es sich so an, als hätte mein persönliches Kaleidoskop wieder angefangen sich zu drehen.
Für Hurts.
Monatelang war einfach nichts mehr übrig, was ich hätte geben können. Ich konnte nicht ausdrücken, welcher Konflikt zwischen Gehen und Bleiben in mir herrschte. Obwohl ich nicht gehen wollte, fand ich gleichzeitig nichts mehr, für das es sich zu bleiben lohnte. Das Kaleidoskop, das sich drehte und drehte und immer wieder die gleichen Bilder zeigte, musste deswegen kurz angehalten werden. Kurz stehenbleiben und durchatmen. Es braucht Zeit, um die Farben und Formen neu zu bilden, aus denen Bilder entstehen können. Etwas, was ich noch nicht gesehen habe. Bilder zu Momenten, die mich zum Lachen bringen, vielleicht auch zum Weinen, auf jeden Fall zum Staunen, mich mitreißen und begeistern. Vor allem muss ich wieder bereit sein, sie sehen zu wollen.
All das hat mir diese britische Band nun für einen Abend zurückgebracht. Die anderthalb Stunden, in denen sie ihre Lieder mit voller Hingabe spielten, verflogen wie Minuten und hinterließen eine Leichtigkeit in mir. Alles, was ich vorher vermisst habe, ist immer noch da. Der Abstand, den ich genommen habe, lässt es zu, dass ich nicht nach den Möglichkeiten suche, sondern sie mich finden. Sobald ich möchte, kann ich den Impuls geben, der wieder Bewegung in diesen Stillstand bringt. Nur ich.
Meine Konzertpause ist damit nicht vorbei, vielleicht war sie auch nie das, was man im herkömmlichen Sinne als solche definiert. Dennoch hat sie mir das Bewusstsein gegeben, dass ich Nein sagen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Ohne etwas zu verpassen. Eine Erkenntnis, die sich auf andere Lebensbereiche übertragen lässt.

Fürs erste ist sicher: Egal, welchen Weg ich gehe, ich werde immer ein Teil dieser Wunschkonzertreise sein. Also drehe ich mein Kaleidoskop weiter und erwarte gespannt das nächste Bild von meiner Geschichte.

You didn’t wake me from my kaleidoscope dream
You got me spinning in your love

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