Interview mit der Autorin Kyra Groh

Kyra Grohs Debüt Pinguine lieben nur einmal erschien 2013, darauf folgte 2014 Halb drei bei den Elefanten und schließlich veröffentlichte sie Anfang 2016 ihren dritten Roman Tage zum Sternepflücken.
Mit ihrer lockeren, witzigen Art schreibt sie sich in die Herzen ihrer Leser und ich durfte ihr ein paar Fragen zu ihrem Schreiballtag und ihren Charakteren stellen.

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Quelle: Philipp Thor

 

Als allererstes würde ich gerne wissen, wie deine Schreibroutine aussieht? Hast du bestimmte Zeiten/Tage, an denen du schreibst oder schreibst du immer dann, wenn dir gerade etwas einfällt?

Es wäre schön, wenn ich immer genau dann zu Feder und Tinte (oder wohl eher: zur Tastatur) greifen könnte, wenn mir grade etwas einfällt. Aber meistens bin ich da in etwas unpässlichen Situationen. Bei einem Meeting in meinem Hauptjob zum Beispiel. Oder auf dem Fahrrad. Oder in einer Umkleidekabine. Eben genau dann, wenn es nicht passt Ich schreibe ehrlich gesagt dann, wenn Zeit und Motivation es zulassen. Oft an den Wochenenden oder, wenn ich Urlaub habe. Aber wenn ich eine gute Idee habe, tippe ich sie natürlich sofort als Notiz in mein Handy.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Aus dem Leben. Aus lustigen Begegnungen, tiefsinnigen Gesprächen, und Aufreger-Themen, die mich fast wahnsinnig machen. Aus Beobachtungen beim Draußen-sein, auf der Arbeit, im Internet oder im Café. Von skurrilen Menschen, witzigen Zeitgenossen und den Typen, bei denen man nur den Kopf schüttelt und sich fragt: „Warum … warum bist du nur so … so arrrrrrrgggg?“

Ich habe gelesen, dass du – wie deine Romanfigur Layla – Saxophon spielst. Musik ist also auch ein Thema in deinem Leben. Viele Autoren schreiben zu Musik. Wie sieht das bei dir aus? Hast du eine Schreibplaylist?

Ich habe keine spezielle Schreib-Playlist. Wenn ich mich an den Rechner setze, um meine Schreibsession zu beginnen, mache ich mir meistens aktuelle Lieblingslieder oder die Art All-Time-Favourites an, bei denen man nicht anders kann, als laut mitzugrölen. Aber gerade weil ich dann mehr mit Mitsingen oder dämlichen Tanzbewegungen beschäftigt bin, kommt nichts Produktives herum, solange ich zu dieser Art Musik zu schreiben versuche. Wenn mich doch die Muse küsst, so vergesse ich meist, nach dem Enden einer Playlist, eine neue zu starten, weil zu vertieft bin und nicht merke, dass die Musik verstummt ist. Aber meistens entscheide ich mich bewusst, nun mal etwas fleißiger zu sein und schalte dann auf instrumentale Musik um, zum Beispiel moderne Klaviermusik von Ludovico Einaudi. Die ist sehr inspirierend und lenkt dabei überhaupt nicht ab.

Welche deiner eigenen Romanfiguren (Haupt-/Nebenfigur) magst du am liebsten (von allen deinen Büchern)?

Das ist eine super schwere Frage! Meinen Hauptpersonen begegne ich fast wie echten Menschen, so als würde ich sie tatsächlich kennen. Daher weiß ich an jedem von ihnen gewisse Züge zu schätzen, wegen anderer Eigenschaften möchte ich sie am liebsten schütteln und sie fragen, ob sie eigentlich noch ganz dicht sind. Ich liebe Nebenfiguren wie Golo (aus meinem Roman „Tage zum Sternepflücken“) oder Cem („Pinguine lieben nur einmal“). Ich finde, man kann diese Nebenrollen etwas eigenartiger und abgefahrener gestalten als die Hauptpersonen. Mit ihnen verbringt der Leser schließlich mehr Zeit, da würde es nerven, wenn diese Personen zu abgedreht ist. In den Nebenfiguren kann man sich beim Schreiben austoben, ihnen auch mal absurde Züge oder Erlebnisse andichten. Das macht einerseits mir beim Schreiben Spaß und andererseits (hoffe ich 🙂 ) ist es auch beim Lesen schön. Typen wie Golo oder Cem sind das Salz in der Suppe, sie machen sie Geschichte witzig. Und oft ist nun mal auch das Leben witzig. Sie verkörpern diesen Charme. Deshalb mag ich sie so.

In deinem Roman erobert Layla Youtube. Wäre das auch ein Medium für dich? Musikalisch oder mit Vlogs?

Ich bin, was das musikalische betrifft, leider nie gut genug geworden, um mich damit irgendwo als Solokünstler präsentieren zu können. Wenn ich ein begnadet talentierter Musiker wäre, hätte ich sicher Youtube als Bühne für mich entdeckt. Da dieser Zug wahrscheinlich abgefahren ist, Youtube aber immer noch einen Reiz auf mich ausübt, würde ich es nicht ausschließen, auf anderem Wege dorthin zu finden. Ja, Vlogs wären eine Idee. Ich habe auch schon mal überlegt, eine Art Video-Lesung zu machen. Dieser Gedanke schwirrt schon länger in meinem Kopf und noch habe ich das nicht aufgegeben ;-).

Wenn „Tage zum Sternepflücken“ verfilmt werden würde, welche Schauspieler bekämen die Hauptrollen, wenn du es dir aussuchen könntest?

Diese Frage hat mir solches Kopfzerbrechen bereitet! 😀 Mir wollte einfach niemand einfallen, weil Layla und Julius (die Protagonisten aus „Tage zum Sternepflücken“) in meinem Kopf so klar umrissene Personen mit einem gewissen Aussehen sind. Ich kenne von mir selbst das Problem, dass Schauspieler in Buchverfilmungen nie genau die Vorstellungen der Leser widerspiegeln, daher .. uff! 🙂 Meine Überlegungen, wie ich dir hierauf antworten soll, wurden zudem immer von meinen eigenen Wünschen, welche Schauspieler ich gerne mal treffen würde, unterwandert. Aber ich musste mir schließlich eingestehen, dass Jake Gyllenhaal wohl niemals Julius spielen wird, weil a) zu alt und b) naja, er ist einfach sehr unjuliusig. Ich habe mir schließlich im Netz eine Liste der 30 beliebtesten Schauspieler unter 30 angesehen. Dort habe ich dann meinen bestmöglichen Herren gefunden: Nicholas Hoult könnte einen guten, wenn auch etwas zu süßen Julius abgeben! Eine Gitarre wird ihm sehr gut stehen. Was Layla betrifft … ich konnte niemanden finden! Hollywood bietet mir nur zarte, blonde, elfenhafte Damen unter 30. Dazu ist meine Layla zu tough. Vielleicht hat Emilia Clarke aber eine jüngere Schwester?

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Quelle: Philipp Thor

 

Du warst letztens auf der LoveLetterConvention in Berlin. Wie war das für dich? Was hast du erlebt? Hast du dort jemanden getroffen, dem du schon immer mal begegnen wolltest?

Es war groß, viel, voll, umwerfend, überwältigend und sehr inspirierend. Man kommt als Autor nicht so oft in den Genuss, seine Leser zu treffen und herauszufinden, welche Art Mensch sie sind. Daher kann ich den Besuch einer solchen Convention wirklich empfehlen. Wenn man weiß, für wen man eigentlich schreibt, bekommt man so einige AHA-Momente. Für mich ist es immer noch verrückt, dass jemand eine Signatur von mir möchte. Auf der LLC habe ich jedoch gefühlte vierhunderttausendachtunddreißig Mal meinen Namen auf ALLES geschrieben! Taschen, Blöcke, Bücher, Fotos. Total abgefahren! Das ist wunderschön … aber auch surreal. Aber es war beruhigend zu sehen, dass es auch den großen Bestseller-Autorinnen so ergeht. Mhairi McFarlane zum Beispiel, die ich unbedingt treffen wollte, schien etwas überfordert mit allem. Aber auf sehr süße Weise! Ich habe etwas mit ihr gequatscht und wir haben auch ein Foto miteinander geschossen. Wir waren eine kleine Zwei-Mann-Eyeliner-Gang 😀

Hast du einen Tipp für alle angehenden Autoren?

Schreibt, was euer Herz euch sagt. Und traut euch, eure Geschichten mit eurer Familie, euren Freunden, und letztendlich mit Literatur-Agenturen und/oder Verlagen zu teilen.

Mit welchem Autor/in würdest du gerne mal einen Tag verbringen? Was würdet ihr machen?

Ich würde mit Stephen King einen Tag lang in Maine spazieren gehen. Er würde reden, ich würde zuhören. Den ganzen Tag. Worüber er spricht, wäre mir einerlei. Er dürfte mir eine 24-stündige Vorlesung zum Thema Kreatives Schreiben halten oder auch nur von seinem letzten Urlaub erzählen. Mit einem grandiosen Geschichten-Erzähler wie ihm, kann der Tag nur unterhaltsam werden.

Schreibst du gerade an einem neuen Projekt? Auf was können sich deine Leser einstellen?

Ja. In meinem Kopf ist die Geschichte schon lange erzählt, auf dem Papier wächst sie noch. Es wird wieder eine Liebesgeschichte werden, in deren Mittelpunkt eine junge Frau steht. Auch bei diesem Roman werde ich mich damit beschäftigen, was passiert, wenn die Liebe auf unkonventionelle Bedingungen stößt. Das zentrale Thema wird Glück sein. Ich habe mich gefragt: Gibt es so etwas wie das große Glück, das vom Schicksal vorherbestimmt ist? Bedeutet Glück, dass man sich mit weniger zufriedengibt als mit der Idealvorstellung? Oder gehört es zum Erwachsen-werden hinzu, dass man seine Ideale hinter sich lässt, und in Sachen Glück Einbußen macht.

Vielen Dank, liebe Kyra, für das interessante Interview mit vielen Einblicken in dein Autorenleben.

Falls ihr noch mehr über Kyra wissen wollte, besucht sie doch auf ihren Social-Media-Kanälen (Instagram/Facebook).


Meine Rezensionen zu Kyras Romanen:
Pinguine lieben nur einmal

Tage zum Sternepflücken

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5 Gedanken zu “Interview mit der Autorin Kyra Groh

  1. Pingback: Sommerbuch | Kyra Groh: Tage zum Sternepflücken |

  2. Hallo Lauretta!

    Was für ein tolles Interview! 🙂 Ich habe ja schon deine Rezensionen zu den Titeln von Kyra Groh gelesen, mehr kannte ich allerdings nicht von ihr. Und dein Interview offenbart eine herzliche und freundliche Person! Richtig sympathisch! 🙂 Hat Spaß gemacht zu lesen.

    Liebe Grüße
    Henrik

    Gefällt 1 Person

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