Hast du alles im Griff?

Aktuell ist meine Timeline auf Twitter voll mit Menschen, die sich selbst ein Buchkaufverbot auferlegt haben. Einige fühlen sich gut damit, andere beklagen ihr Leid in allen möglichen Varianten.
Und ich sitze da und überlege ganz stumm, was das eigentlich soll, dieses Buchkaufverbot? Denn im Grunde verstehe ich es nicht ganz.

Karl Lagerfeld soll mal gesagt haben: Wenn man eine Jogginghose trägt, hat man sein Leben nicht im Griff.
Manchmal frage ich mich, ob nicht das Buchkaufverbot die Jogginghose der Buchblogger ist.

Ich versuche die Sachlage mal ganz nüchtern zu betrachten: Aus einer Leidenschaft heraus liebt man Bücher. Man ist Buchblogger. Das beinhaltet, dass man Bücher kaufen muss, um sie zu lesen und darüber zu schreiben. Zusätzlich bekommt man das ein oder andere Rezensionsexemplar. Diese Grundsituation ist wohl bei jedem Blogger gleich.

Dazu kommen dann die zusätzlichen Romane, die einem das Gefühl geben, dass man sie unbedingt haben muss, und ein anderes, bereits gekauftes Buch auf der Prioritätenliste weiter nach unten rutschen lassen. Aber so weit, dass man es gar nicht mehr liest?
Aus einer Laune heraus kauft man Bücher, die man in den Schrank stellt und eine ganze Weile nicht liest – solche Bücher lassen sich auch in meinem Regal finden. Dennoch kann ich diese Anzahl ganz gut überschauen.

Vielleicht bin ich einer dieser wenigen Fälle, die in ihrem Kaufverhalten relativ überlegt vorgehen und wäge ab, ob ich ein Buch wirklich lesen möchte oder nicht, bevor ich es kaufe. Demnach landet kaum ein Buch bei mir zu Hause, das ich nicht anstrebe, in einem bestimmten Zeitraum gelesen zu haben. Wenn doch, handelt es sich um die vorher schon angesprochene überschaubare Menge. Ich blicke auf keine Masse an hunderten von Büchern, bei der ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Ich muss dafür kein Zimmer leer räumen oder ein neues Regal anschaffen.
Doch glaubt man den eigenen Aussagen einiger Buchblogger, ist genau das irgendwann der Fall. Konsequenz: Bücherstau. Die Masse an Bücher ist so enorm, dass man sie nicht mehr lesen kann. Als einzige Lösung folgt darauf das Buchkaufverbot; für einen bestimmten Zeitraum (meistens ein paar Wochen) verbietet man sich selbst ein Buch zu kaufen. Im Gegenzug liest man die Bücher, die sich auf dem SUB angesammelt haben.
Schon allein dieser Gedanke hört sich in meinem Kopf absurd an. Weshalb verbiete ich mir eine Grundvoraussetzung meines Bloggerdaseins/meine Leseleidenschaft?  Eigentlich wäre die Herangehensweise nicht allzu problematisch, wenn es nicht die Neuerscheinungen gäbe, die genau in die Kaufverbot-Auszeit fallen und an denen anscheinend das Buchherz so dermaßen hängt, dass es blutet, weil man das Buch nicht sofort kaufen kann. Ist ja verboten.
Vergleichbar dazu fällt mir die Werbung ein, in der eine Frau in die Kamera schmollt und sagt „Ich würde so gerne mal wieder Wurst essen, aber das geht ja nicht.“ Sie ist Vegetarierin. Eine große Wurstkette hat die passende Antwort: vegetarische Wurst. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, möchte ich der Frau ins Gesicht schreien, dass sie einfach die echte Wurst essen soll, wenn ihr so viel daran liegt. Genauso bei den Büchern: Kauft euch doch die Bücher, wenn ihr sie unbedingt haben wollt!
Doch was wäre ein Verbot, wenn man nicht noch einige Schlupflöcher einbauen könnte? Angeforderte (oder unangeforderte) Rezensionsexemplare werden dem Stapel trotzdem hinzugefügt, genauso wie Geschenke. Einem geschenkten Gaul… Ach, ihr wisst ja, wie es weitergeht. Weiterhin sind Vorbestellungen vom Buchkaufverbot ausgeschlossen, da der Kauf davor getätigt wurde.
Immer wieder findet man Statements wie „Ich habe jetzt seit einem Monat Buchkaufverbot und trotzdem vier Neuzugänge.“. Geht diese Rechnung also wirklich auf? Wie viele Bücher muss/kann man in einer bestimmten Zeit lesen, damit sich wirklich etwas an der Situation der angesammelten Bücher ändert, wenn trotzdem Neues hinzukommt?

Wieso muss ich mir selbst etwas verbieten, damit ich vorhandene Ressourcen nutze? Oder anders gefragt: Wieso kaufe ich nicht nur Bücher, die ich lesen möchte und lesen werde, bevor ich die nächsten fünf Bücher kaufe?
Gut möglich, dass ich mich am meisten an dem Wort Verbot störe. Denn ich bin der Meinung, dass man mit sich selbst genauso gut eine stille Übereinkunft treffen kann. Eine eigene Auseinandersetzung mit den Büchern, die man hat, warum man sie hat, und welches davon man lesen möchte, halte ich für sinnvoller als, aufgrund zu vieler Bücher, ein Verbot auszusprechen.
Schließlich kaufe ich auch nur Jogurt, wenn ich ihn essen möchte und stelle mir keine dreißig Becher in den Kühlschrank, um darauf zu warten, dass sie schimmlig werden. Hierbei ist natürlich der symbolische Charakter dieses Beispiels zu beachten, denn selbstverständlich ist mir bewusst, dass man Bücher weder essen kann, noch werden sie bei guter Lagerung schimmelig. Gleiches gilt meiner Meinung nach für den Konsum von Schuhen oder Kleider.
Immerhin ist mit einem Bücherkauf eine finanzielle Investition verbunden, die ich vorher aufbringen muss. Verschwende ich also mein Geld in etwas, was ich niemals nutze? Bedeutet das also, dass ich mir dessen während des Buchkaufs nicht bewusst bin?
Vielleicht erklärt es mir jemand.

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10 Gedanken zu “Hast du alles im Griff?

  1. Der Jogginghosen-Vergleich ist super und sehr treffend.
    Vielleicht ist Bücher kaufen auch eine Art Sucht. Shoppingsüchtig für ein ganz bestimmtes Produkt. Das sollte mal jemand untersuchen.

    Wie ich dazu stehe weißt du ja, denn nur so bin ich überhaupt auf einen schönen Blog aufmerksam geworden.

    Liebe Grüße
    Lexa

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  2. Du hast es ziemlich gut auf den Punkt gebracht, liebe Lauretta!
    Meine eigene Meinung konnte ich in jeder Zeile wiederfinden & erwischte mich durchaus einige Male kräftig nickend. 😀

    Man sollte sich – egal, um welche Ressource es sich schlussendlich handelt – wissen, wie man sich zu „kontrollieren“ hat, um nicht plötzlich 30 Joghurts auf einmal zu kaufen ;).
    Statt also ständig drauf los zu kaufen, sollte man über sich selbst wissen, wie viele Bücher man auf einmal „verkraftet“ & sich bei neuen Büchern im Klaren sein, ob man es schafft, diese auch einmal zu lesen, ohne sich von seinem SuB erschlagen zu fühlen.

    Liebe Grüße,
    Annika

    Gefällt 1 Person

  3. Amen! Ich halte auch nichts von Buchkaufverboten. Wenn man es wirklich ernst meint, braucht man es gar nicht und wenn nicht, dann findet man immer einen Weg um es herum.
    Ich habe jetzt vor ein paar Monaten Bücher aussortiert, die ich ziemlich sicher nicht mehr lesen werde und seitdem habe ich auch wirklich das Gefühl, meinen SuB und mein Kaufverhalten im Griff zu haben. Dass im Moment auch nicht viel erscheint, was mich interessiert, hilft da auch. =P
    Jedenfalls triffst du es genau auf den Punkt, finde ich. Toller Post! =)

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Julia,

      Du hast es also ohne Buchkaufverbot geschafft.
      Bücher weggeben ist immer eine Option, wenn sie zu viel werden oder man sie nicht mehr haben will. Das ist wahrscheinlich sogar am besten, bevor man sie ewig im Schrank hat. Dann kann sich jemand anderes daran erfreuen.
      Hast du die Bücher verschenkt, verkauft oder in einen Bücherschrank gestellt?

      Liebe Grüße,
      Lauretta

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      • Einen Teil (die neu gekauften, die ungelesen wieder weg gingen) habe ich verkauft, einen Teil habe ich verschenkt und ein Teil liegt immer noch hier rum. Ich denke, die werde ich demnächst aber mal bei uns bei der Bücherei abgeben, wenn ich sonst niemanden finde, der sie haben will.

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  4. Ich bin doch nicht allein, der Beitrag hat mich jetzt enorm beruhigt. Auch bei mir läßt die Abkürzung „SuB“ regelmäßig blinkende Fragezeichen in den Augen zurück. Zitat: „Demnach landet kaum ein Buch bei mir zu Hause, das ich nicht anstrebe, in einem bestimmten Zeitraum gelesen zu haben. Wenn doch, handelt es sich um die vorher schon angesprochene überschaubare Menge. Ich blicke auf keine Masse an hunderten von Büchern, bei der ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage. “ Bingo. Was mich allerdings noch mehr verstört als die Tatsache an sich (ich gönne Jedem seinen SuB, möge er glücklich damit werden, ganz ehrlich) ist die Akribie, mit welcher Buch und Statistik über den SuB geführt wird und die ZEIT, welche damit zugebracht wird, Beiträge zu veröffentlichen, in denen es um schlichtweg nix weiter geht, als ungelesene Bücher. Und ich frag mich jedes Mal: WER liest das denn? (Also ich nicht…wozu auch, bringt mir alsLeser ja nun so rein gar nix…) Ich schaffe schon nicht, all das zu lesen, bei dem über GELESENES berichtet wird. Der SuB wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Vielleicht fehlt mir aber auch das jetzt-gleich-haben-will-shopping-Gen. Wenn ja, bin ich dankbar dafür.

    Gefällt 2 Personen

    • Danke!
      Du freust dich, dass du nicht alleine bist und ich mich ebenso.
      Letztendlich finde ich es als Leser weitaus spannender zu erfahren, was ein Blogger gelesen hat. Es kann natürlich in bestimmten Fällen ebenfalls interessant sein, zu erfahren, was jemand noch nicht gelesen hat. Doch meistens kann man darüber nur bedingt berichten. Das bringt mir also leider gar nichts, wenn ich erfahren möchte, ob ich ein Buch lesen möchte oder nicht. Ob und wie lange ein Blogger ein bestimmtes Buch schon auf seinem SUB hat, sagt nämlich nichts über seine Qualität aus.

      Liebe Grüße,
      Lauretta

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  5. Hallo liebe Lauretta,
    du hast dir ja mächtig Gedanken zu diesem Thema gemacht. Ehrlich gesagt, mehr als ich es zuvor gemacht habe. Ich habe damals Beiträge zu diesem Buchkaufverbot oft gelesen und mich gefragt: „Was bringt mir das?“, habe aber diese Personen mit einem Kommentar unterstützt und motiviert, dran zu bleiben. Natürlich habe ich mich nicht weiter damit befasst, ob es wirklich etwas nützt.
    Eine „stille Übereinkunft“ habe ich auch schön öfter getroffen. Nach 30-40 Büchern auf meinem Stapel der ungelesenen Belastungen habe ich mir auch schon gesagt, dass es jetzt mal reicht mit dem kaufen. Ich habe mir da aber kein Verbot auferlegt. Eher habe ich die vorhandenen Bücher gelesen und mir mit Freuden ausgesucht, was ich mir als nächstes zulegen möchte.
    Es macht nicht wirklich viel Sinn, sich ein solches Verbot aufzuerlegen, wenn man die Bücher, die man hat, zwar liest, aber kurz darauf wieder neue hinzuholt und sich schneller wieder eingedeckt hat, als man den Stapel „abgearbeitet“ hat. Da rückt schon das nächste Buchkaufverbot an und dann? Das ist ja wie ein Teufelskreis. Ein selbstgemachter Teufelskreis.

    Vielen Dank für deine Betrachtungsweise!
    Liebe Grüße
    Henrik

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Henrik,

      danke für deine Zustimmung!
      Man muss nicht immer nur genau ein Buch zu Hause haben, das man gerade liest. Auch ich bin nicht frei von meheren ungelesenen Exemplaren. Es geht mir auch überhaupt nicht um die Amzahl der Bücher. Jeder kann und soll so viele Bücher zu Hause haben wie er möchte.
      Ich bin nur zu der Ansicht gekommen, dass es bei den meisten dieser Buchkaufverbote mehr um Zahlen geht als um das Buch selbst. Das ist sehr schade.

      Liebe Grüße,
      Lauretta

      Gefällt 1 Person

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