Als sich das Sommerloch fortsetzte

Hello Friend

Liebe Annie,

Sommerloch, hm? Es ist nun auch bei mir angekommen. Während du dir also einen schönen Tag in Köln machst, suche ich nach Worten, mit denen ich diese Woche bunter erscheinen lassen kann als sie letztendlich war.
Da ich krank war, habe ich nämlich alle meine Aktivitäten auf ein Minimum reduziert. Nicht mal gelesen habe ich, dafür allerdings Hörbücher gehört. Wirklich gut unterhalten war ich damit jedoch nicht und so werde ich in dieser Kolumne zum ersten Mal ein Anti-Buch der Woche vorstellen: Die fernen Stunden von Kate Morton.
Hierbei handelt es sich um die Geschichte von Edi, einer jungen Verlagslektorin und ihrer Mutter, die eine längst vergangene Verbindung zu den in einem Schloß lebenden Blythe-Schwestern hat. Besagte Schwestern sind die drei Töchter des großartigen Autors, der mit seinem Buch Edis literarische Laufbahn geprägt hat. Im Verlauf des Buches wird dann mit allerlei fantastisch-mystischen Mitteln ein dunkles Familiengeheimnis ans Licht gebracht. Die Auflösung war zu einem Teil langweilig, weil es eigentlich nur eine grobe Wiederholung dessen war, was im Buch sowieso schon die ganze Zeit geschildert wurde, und zum anderen, weil auf einige Ereignisse gar nicht mehr eingegangen wurde. Für mich hätte Erklärungsbedarf bestanden (zum Beispiel: Wieso war eine der Schwestern voller Blut?), doch es wurde einfach nicht mehr erwähnt.
Teilweise vermute (oder vielmehr hoffe) ich allerdings, dass meine Kritik der Kürzung des Hörbuchs zum Opfer zugrunde liegt. Die anderen Hörbücher, die ich von der Autorin kenne, waren nämlich strukturiert, spannend und am Ende sehr gut erklärt.

Nun, ein weiteres Ereignis dieser Woche war für mich der Rücktritt von Lukas Podolski aus der Nationalmannschaft und das viel betitelte „Ende der Generation Sommermärchen“. Zum einen bedeutet es, dass nun alle damals liebgewonnenen und geschätzten Spieler nicht mehr zum Kader gehören. Außerdem ist nun (fast) jeder weitere Spieler, der demnächst für Deutschland über den Platz rennt, jünger als wir. Anders gesagt: Wir werden alt.
Aber zurück zu Podolski. Es ist schon zwölf Jahre her, als er am 04.06.2004 mit gerade mal 18 Jahren zum ersten Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft den Platz betrat. Da war die Sache für mich entschieden, er würde mein Lieblingsspieler sein. Damals noch mit der Nummer 20, später für immer die Nummer 10. Ich erinnere mich genau an diesen Moment, als er an der Seitenlinie stand, Bobic abklatschte und aufs Feld lief. Das war der Beginn, dass ich nicht mehr nur eine Mannschaft mit austauschbaren Spielern sah, sondern hinter einem bestimmten Spieler stand, seinen fußballerischen Werdegang verfolgte und zumindest meistens unterstützte. Auch oder gerade weil mich in diesem Punkt kaum jemand verstand. Meine Standardantwort auf Kommentare wie „Was willst du denn mit dem?“ oder „Du weißt aber schon, dass er nicht so wortgewandt ist?“ war: „Er muss doch nur gut aussehen, anständigen Fußball spielen und Ja sagen, wenn der Pfarrer fragt.“
Etwas, was ich heute so nicht wieder sagen würde. Anscheinend waren diese Ansprüche für mein 16jähriges Ich aber ausreichend. Es macht mich heute absolut nicht traurig ihn mit einer anderen Frau verheiratet und zwei bezaubernden Kindern zu sehen. Ich mag ihn immer noch.
Diese Zeit mit vielen Erinnerungen verknüpft: Der unerfüllte Wunsch des WM-Teddys mit der Nummer 10, der Moment, in dem mein Papa an der Kasse erklärte, dass er die REWE Sammelkarten für seinen Enkel (damals 2) sammelt, obwohl ich die Podolski-Sammelkarte haben wollte. Und vieles mehr. Etwas, das es nicht gegeben hätte, wenn er sich damals entschieden hätte für Polen zu spielen. 129 Spiele und 48 Länderspieltore später kann man nur noch sagen: Danke, Poldi!
Besonders schön finde ich, dass er ein Abschiedsspiel bekommen wird, obwohl man noch nicht weiß, wann. Ich werde auf jeden Fall genauso begeistert vor dem Fernseher sitzen wie bei jedem seiner anderen Einsätze und – aus nostalgischen Gründen – freudig vor mich hingrisen, wenn er im Bild ist.

Jetzt bleibt mir nicht mehr viel übrig, als dir ganz besonders viel Spaß beim Konzert von Good Charlotte zu wünschen. Ich hoffe, du springst und tanzt wie noch nie zuvor!

Ich schicke dir und deiner Reisebegleitung herzliche Grüße,
Lauretta


Wie dieses Sommerloch anfing, erfahrt ihr bei der bezaubernden Annie in der letzten Hello Friend-Kolumne.

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Ein Gedanke zu “Als sich das Sommerloch fortsetzte

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