Emotionale Achterbahn

Auch, wenn man meinem Sternzeichen eine gewisse Affinität zu diesem Ort zuspricht, hasse ich Krankenhäuser. Sie sind kein Ort, an dem ich mich besonders gerne aufhalte. Sollte ich mal eines betreten müssen, bin ich auf dem schnellsten Weg wieder draußen – ohne großartig nach links und rechts gesehen oder etwas angefasst zu haben.
Deswegen vermeide ich es normalerweise auch mir Krankenhausserien wie Emergency Room oder Grey’s Anatomy anzusehen. Nach meiner eigenen Vorstellung sind die dort Szenen nämlich immer mit viel zu viel Blut und offenen Körperstellen verbunden oder so kitschig emotional dargestellt, dass mich das viel zu sehr mitnimmt.

Trotz allen Vorbehalten sorgte der Club der roten Bänder die letzten Wochen dafür, dass ich am liebsten´vor dem Fernseher in Tränen ausgebrochen wäre – und das ein oder andere Mal auch bin. Manchmal, weil ich so emotional berührt war; manchmal, weil ich parallel dazu lachen musste.
Dass mich diese Serie wirklich überzeugt, liegt hauptsächlich daran, dass mit den schwierigen Situationen und Themen, die sich um fünf Jugendliche/Freunde/Verbündete im Krankenhaus drehen, feinfühlig umgegangen wird. Zum einem wird der Zuschauer nachdenklich gestimmt, gleichzeitig ist es den Autoren und Schauspielern gelungen die Handlung mit einer gewissen Leichtigkeit zu erzählen. So erlebt man jeden Moment mit, wird allerdings nicht deprimiert zurückgelassen. Das liegt für mich zu einem großen Teil an der Figur von Toni, der jede traurige Atmosphäre mit seiner besonderen Art und herzerwärmenden Worten auflöst. Oft lässt er das ein oder andere Fettnäpfchen natürlich genauso wenig aus.

Es geht um Schicksale, Liebe, das Leben und den Tod, der immer irgendwie dazugehört. Während Leo und Jonas (in Staffel 2 auch Kim) gegen den Krebs kämpfen, kämpfen Emma und Hugo auf verschiedene Weise mit ihrem Körper. Da wird nichts geschönt oder romantisiert, aber auch nichts übermäßig dramatisiert. Besonders herausstechend waren für mich allerdings die Szenen, in denen beispielsweise Konflikte zwischen eigenen Überzeugungen und Ärztealltag geschildert wurden (wie im Fall von Luis), ohne dass eine konkrete Wertung getroffen wurde. Am Ende liegt es bei den Zuschauern selbst, welche Position sie einnehmen.
Mit Handlungssträngen, die zwischen Vorstellungskraft und Realität liegen, kann man gerade junge Leute erreichen und diese Serie schafft es den nötigen Respekt dafür nie zu verlieren. Oft wurde mit einer solchen Genauigkeit und Entschleunigung erzählt, sodass der Fokus deutlich auf dem Charakteraufbau der Clubmitglieder lag und nicht auf einer schnell fortlaufenden Handlung, die Spannungen herbeiführt. Die kamen von ganz alleine.
Eine Strategie, die aufgrund der Liebe zum Detail und den großartigen schauspielerischen Leistungen jedes einzelnen Darstellers perfekt aufgeht. Man fühlt am Ende mit jedem einzelnen Clubmitglied, versteht die Hintergründe und ihr Schicksal wächst einem ans Herzen.

Bekanntlich sind deutsche Serienproduktionen der letzten Zeit nicht mit überragendem Erfolg gekrönt gewesen. Deswegen freut es mich umso mehr, dass sich VOX als Sender getraut hat dieses Projekt, das auf internationaler Ebene seine Schatten vorauswarf, anzugehen und ein paar Dinge anders umzusetzen, als es sonst gemacht worden ist. Mit intensiver Arbeit ist hier eine authentische Geschichte entstanden, die man einfach verfolgen muss.

Ich freue mich auf die dritte Staffel, obwohl ich davon ausgehe, dass auch dabei meine Augen nicht trocken bleiben werden!

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