Irgendwann ist jetzt.

eliza

›Riskiere was!‹, hatte meine Großmutter gesagt. ›Hör auf zu planen. Lass das Leben entscheiden!‹.

aus Kim Nina Ocker: Eliza will Fahrrad fahren

Eliza ist eine aktive, immer positiv denkende Frau. Man könnte auch ganz einfach sagen: eine der coolsten Omas der Welt – selbst wenn sie nicht so genannt werden möchte. Sie hat eine Bucket List mit neunundzwanzig Punkten, von denen die meisten noch abzuarbeiten wären. Doch leider kann sie das nach einem erlittenen Schlaganfall nicht mehr selbst erledigen. Das überlässt sie ihrer eher weniger abenteuerlustigen Enkelin Harlow. Die, so würde Eliza wohl sagen, müsste sich endlich mal den Stock aus dem werten Hinterteil ziehen und das Leben vor die Herausforderung stellen, ihr alles zu zeigen, was es zu bieten hat. Harlow ist skeptisch, doch da Eliza schon immer eine wichtige Bezugsperson war, lässt sie sich darauf ein. Damit beginnt Harlows Reise ins Leben mit der ersten Station in Seattle. Dort lernt sie Jesse kennen, der für das Gelingen ihres Auftrags unverzichtbar wird.
Ein Roadtrip verbunden mit einer Geschichte, die mich zum Weinen, Lachen und Nachdenken brachte.

Lass uns leben wie ein Feuerwerk
Als wenn es nur für heute wär‘
Denn dieser Augenblick kommt nie zurück.
Lass uns leben wie ein Feuerwerk
Die ganze Welt kann uns gehör’n
Verbrenn’n die Raketen Stück für Stück

Wincent Weiss – Feuerwerk


Harlow beweist schon von Anfang an ziemlich viel Mut, obwohl sie sich dessen gar nicht bewusst ist. Ich wäre sicher nicht einfach in ein Flugzeug gestiegen und in die Welt hinausgezogen, ohne einen konkreten Plan zu haben. Doch sie stellt sich, wenn auch nicht ganz ohne Meckern und Jammern, dieser Herausforderung. Sie lernt sich von einer ganz neuen Seite kennen, wächst über sich hinaus und hat bald sogar richtig Spaß an den Aktivitäten, die ihre Oma auf ihrer Bucket List notiert hat. Das macht sie für mich zu einer dieser literarischen Heldinnen, mit der ich mich identifizieren kann. Eine derjenigen, die mich dazu verleiten, mir ein Beispiel an ihrer Entwicklung zu nehmen.

Wie viel mehr Mut es wohl erfordert, eine fremde Bucket List abzuarbeiten?

Ganz ehrlich, würde ich einem der Häuser aus Harry Potter angehören, dann wäre es mit Sicherheit Hufflepuff. Nicht, weil ich langweilig bin, sondern weil ich die meisten Dinge erstmal beobachte. Ich springe nicht mit Anlauf in jede unvorhergesehene Situation, die sich bietet und ich stehe auch nicht in der ersten Reihe, um mit großer Freude der nächsten, nicht klar definierten Aufgabe entgegenzutreten. Dennoch stehe ich unmittelbar in der Reihe dahinter, um eben doch manchmal ins kalte Wasser zu springen.

Seit ich das Buch von Kim Nina Ocker beendet habe, begleitet mich dieser Gedanke, sich den Aufgaben einer fremde Bucket List zu stellen. Es fasziniert und erschreckt mich zugleich in die Gedankenwelt einer anderen Person einzutauchen. Denn bei einer solchen Liste geht es nicht nur darum, sie stupide abzuarbeiten. Dahinter steckt immer eine konkrete Idee und ein Lebensgefühl. Man will eine bestimmte Vorstellung erreichen; etwas erleben, das einem so viel mehr bedeutet. Genau das sollen die Punkte einer Bucket List ja sein – neben dem Auswandern in ein fremdes Land, in dem man tausende Kilometer von der Heimat entfernt sein Glück sucht: Kleine Herausforderungen an alltägliche Situationen aus denen überwältigende Erinnerungen entstehen. Eine Suche danach, wer man ist und wer man sein könnte.
Das ist natürlich immer mit einem gewissen Risiko verbunden: Dem Nicht Erreichen. Wahrscheinlich habe ich deshalb noch nie eine eigene Bucket List geschrieben. Es gäbe zu viele Dinge, die ich nicht aufschreiben würde, da ich genau wüsste, dass ich es niemals tun würde – aus Zeitgründen oder weil ich mich niemals trauen würde. Eine passende Ausrede würde ich schon finden.

Auf einer nicht selbst geschriebenen Bucket List würden vielleicht ein paar dieser Punkte zu finden sein. Der Fokus läge nicht mehr darauf die Mission zu finden, sondern sie konkret auszuführen. Ich müsste meine eigenen Grenzen überschreiten und neue Möglichkeiten suchen. Gleichzeitig könnte ich mit eigenem Ideenreichtum die Aufgaben interpretieren, ausschmücken und so gestalten, dass ich mich wohl dabei fühle. Der Überraschungseffekt käme mir zugute und insgesamt wäre es wahrscheinlich sogar leichter, mich zu überwinden.

Irgendwann ist jetzt.

All das klingt nach einer spannenden und kreativen Reise, bei der man am Ende nicht weiß, wo man landet. Eine Aussicht, aufregende Situationen zu erleben, Menschen mitzunehmen und Neues kennenzulernen. Aber auch die Chance, Momente zu erleben, bei denen man auf die Details achtet und nicht auf alles, was darum herum geschieht.
Das Jahr 2017 scheint perfekt für solch ein Unterfangen zu sein. Aber, um eine solche Liste zu erstellen, brauche ich euch, die Leser meines Blogs. Falls euch eine Aufgabe einfällt, die sich für eine solche Bucket List für ein Jahr eignet, schreibt es mir gerne in die Kommentare. Was muss ich dieses Jahr unbedingt erleben?
Ich versuche sie dann zu erfüllen und werde selbstverständlich davon berichten.

Damit ihr schon mal einen kleinen Eindruck habt, in welche Richtung es gehen könnte, ist hier ein kleiner Anfang:

  1. Gehe auf ein Konzert eines Künstlers/einer Band, der/die nicht unter deinen „normalen“ Musikgeschmack fällt.
  2. Klettere auf das Monument in London.
  3. Betrete eine Buchhandlung und kaufe das erste Buch, das du siehst. Egal, welches.

Link zum Roman Eliza will Fahrrad fahren von Kim Nina Ocker
erschienen bei: Forever by Ullstein

Die komplette Bucket List.

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2 Gedanken zu “Irgendwann ist jetzt.

  1. Das ist eine großartige und wunderschöne Idee! Ich habe einen Punkt für deine Liste. Genau genommen einen Punkt von Elizas Liste, der es leider nicht mehr ins Buch geschafft hat …
    ▶ Tanze auf einem Ball ◀

    Es darf gerne interpretiert werden 🙂 Ich wünsche dir viel Glück und vor allem viel Spaß! Halt mich auf jeden Fall auf dem Laufenden … oder schick eine Postkarte 🙂

    Liebe Grüße
    Kim

    Gefällt 1 Person

    • Oh, vielen Dank!
      Das ist eine tolle Aufgabe! Mal sehen, wie ich es umsetzen kann. 😉 Da fällt mir bestimmt etwas ein.
      Ich werde dir auf jeden Fall immer Bescheid sagen, wenn ich es geschafft habe, einen Punkt zu erfüllen. 🙂

      Liebe Grüße,
      Lauretta

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