Lieblinge meiner Kindheit

Kinderbücher

Das Schöne am Lesen (oder dem Vorgelesen bekommen) als Kind ist, dass die Wahrnehmung jeder Geschichte ganz anders ist als von Erwachsenen. Alles ist viel größer, weiter, bunter, lebendiger, einnehmender – bedeutender. Es sind Erlebnisse, denen man zuhört und sie so aufnimmt, als wären sie wirklich passiert. Oobwohl man weiß, dass es sich um Fiktion handelt nehmen sie einen großen Stellenwert im eigenen Alltag ein. Man spricht über sie als wären es Freunde, die man im Kindergarten oder der Schule getroffen hat.
Es sind die Abenteuer und Charaktereigenschaften der Figuren, die ich – egal wie viele Bücher darauf noch folgen werden – nie vergessen werde. Ob nun der kleine Prinz, Ronja Räubertochter, die kleine Hexe oder Karlson vom Dach, ich liebe sie alle aus unterschiedlichen Gründen.
Inspiriert von Kerstins Re-Readliste habe ich mein eigenes Bücherregal durchstöbert und nach den Geschichten gesucht, die mich in jungen Jahren am meisten begeistert haben.

Das Sams

Am Sonntag scheint die Sonne, am Montag kommt Herr Mon zu Besuch, am Dienstag hat Herr Taschenbier Dienst, am Mittwoch ist die Mitte der Woche, am Donnerstag donnert es, am Freitag hat er frei und am Samstag… Ja, da kommt das Sams. Ganz logisch. Ausgestattet mit vielen blauen Wunschpunkten im Gesicht und einer ziemlich frechen Art bringt es die komplette nächste Woche des ängstlichen Herrn Taschenbier ganz schön durcheinander. Beide geben zunächst ein sehr ungewöhnliches Paar ab, das wiederum den Lesenden unglaublichen Spaß bereitet. Zuerst will Herr Taschenbier das Sams wieder loswerden, doch schließlich wächst es ihm so sehr ans Herz, dass er es am liebsten für immer behalten möchte. Sie erleben so viele lustige, spannende und aufregende Situationen zusammen, dass man gar nicht anders kann als Seite um Seite weiterzulesen. Durch das Sams hat er gelernt weniger Angst zu haben und selbstbewusster durchs Leben zu gehen. Doch bis dahin ist es eine lange Woche, in der es nicht immer einfach für ihn ist.
Und man selbst? Ich wünschte mir immer auch ein Sams, dass Samstags vorbeikommt, Wünsche erfüllt und meinen eigenen Alltag mal ordentlich auf den Kopf stellt.
Hat noch jemand ein paar Sams Rückholtropfen übrig?

Pippi Langstrumpf

Pippi, oder eigentlich Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, ist ein außergewöhnliches Mädchen. Charakteristisch sind ihre zwei roten, abstehenden Zöpfte, die Sommersprossen und ihre enorme Stärke, die sie zum stärksten Mädchen der Welt macht. Sie lebt ganz alleine mit dem Affen Herr Nielson und dem Pferd Kleiner Onkel in der riesigen Villa Kunterbunt. Die Geschwister Tommy und Annika sind ihre Freunde, besuchen sie regelmäßig und zusammen erleben sie die tollkünsten Abenteuer.
Damit war Pippi wohl eine der ersten mutigen und starken Mädchen- bzw Frauenfiguren, die mir in der Literatur begegneten. Sie lässt sich von niemandem etwas sagen und macht, worauf sie Lust hat. So fängt sie ungehemmt an zu singen, zu tanzen oder geht einfach mal rückwärts, wenn ihr danach ist. Wenn ihr eine Vorschrift nicht gefällt, hält sie sich auch nicht daran und stellt ihre eigenen Regeln auf. Sie denkt sich die besten Spiele und Geschichten aus und hat nie verlernt neugierig zu sein. Kurz gesagt: Mit ihr wird es einfach nie langweilig.
Pippi brachte mich dazu, spontan zu sein, auch mal etwas Verbotenes zu tun und das Leben, so wie es eben nicht, zu genießen.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Auf der Insel Lummerland geht alles seinen geregelten Gang, bis eines Tages der Postbote ein Paket mitbringt, in dem ein kleiner Waisenjunge verpackt ist. Die Inselbewohner entscheiden, dass er bleiben darf und nennen ihn Jim. Doch als er schließlich größer wird, gibt es nicht mehr genügend Platz für alle und der König beschließt, dass Emma, die Lokomotive, die Insel verlassen soll. Das wollen Lukas und Jim, die inzwischen Freunde geworden sind, allerdings nicht hinnehmen und verlassen zusammen mit der zu einem Schiff umgebauten Emma die Insel. Das unterstreicht den absoluten Vorzeigecharakter dieser Freundschaft. Auf ins große Abenteuer, dass die drei Freunde an die außergewöhnlichsten Orte führt, an denen sie ungewöhnlichen Charakteren begegnen.
Es ist eine facettenreiche Geschichte, in der man einiges mehr als nur die große Bedeutung von Freundschaft oder der eigenen Herkunft kennenlernt. Von Prinzessinnen, über Drachen oder andere Monster, Scheinriesen und Piraten ist alles dabei, was Kinderherzen und -augen strahlen lässt. Zwischen den Zeilen steht manchmal mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist und wird bestens unterhalten. Durch die Augsburger Puppenkiste kam es dann zu einer weiteren Begegnung mit den Charakteren, die man so lieb gewonnen hatte. Zeitlose Unterhaltung, die zu mehr als nur einer Geschichte wird.

Der kleine Nick

Diese Buchreihe bringt seine Leser nach Frankreich zu einer ziemlich aufgeweckten Gruppe Jungs im Grundschulalter. In witzigen Kurzgeschichten, in dessen Mittelpunkt Nick steht, wird man durch alltägliche Situationen geleitet, die wahrscheinlich jedes Kind kennt. Die Charaktereigenschaften von Nick und seinen Freunden sind zwar sehr stereotypisch, das führte bei mir allerdings jedes Mal dazu, dass ich sie genau deswegen sehr gut einschätzen konnte. Ich wusste, dass der dicke Otto, der immer ein Stück Schokolade dabei hat, sich nie gegen seinen besten Freund Nick stellen würde. Oder, dass der reiche Georg gerne im Mittelpunkt steht und deswegen öfter mal alleine dasteht. Wenn es zu Konflikten kommt und Worte nicht mehr helfen, werden diese eben in bester kleiner-Jungs-Schulmanier ausgetragen: Man prügelt sich ein bisschen.
In den Geschichten gibt es eine vielschichtige Bandbreite an Themen, die aus der Sicht eines Kindes erzählt werden. Von Nick erfährt man alles, was ihn im Bezug auf Familie, Freundschaft, Geschwisterkinder, Schule, Ferien und Mädchen beschäftigt. In einer aufgelockerten Art bleiben auch gesellschaftliche Themen nicht unerwähnt. Es sind kurze Episoden, in denen man sich aufgehoben fühlt.

Momo

Momo ist zwar arm und lebt alleine in einem Amphitheater, ist aber besonders gut darin, anderen Menschen zuzuhören. Deswegen wird sie von allen gemocht und geschätzt, da nach einem Gespräch mit ihr alle wieder viel glücklicher und fantasievoller sind.
Doch alles ändert sich mit dem Tag, an dem die grauen Herren mit ihren Zigarren auftauchen und den Bewohnern anbieten, ihre Zeit zu sparen. Als Momo herausfindet, was es wirklich mit diesen merkwürdigen kalten Männern auf sich hat, versucht sie alles, um die Zeit und die Stadt zu retten. Eine große Hilfe dabei ist die Schildkröte Kassiopeia, die Meister Horas zu ihr schickt. Sie ist meine absolute Lieblingsfigur der Geschichte, die sich selbst als Wesen außerhalb der Zeit bezeichnet. Interessant fand ich sie, da sie nicht nur um eine halbe Stunde in die Zukunft sehen, sondern auch auf ihrem Panzer Buchstaben entstehen lassen kann.
Zusammen mit ihr, den Kindern, Momo und ihren Freunden jagt man der Zeit hinterher und vergisst für mehrere Stunden alles um sich herum. In einem liebevoll geschriebenen Märchen lernt man viel darüber, was Zeit eigentlich bedeutet, wie sie entsteht und wohin sie geht, wenn sie weg ist.


Welche Kinderbücher waren eure liebsten? Erinnert ihr euch noch gerne daran zurück?

Wie mich diese und andere Geschichten zum Lesen gebracht haben, erfahrt ihr im Beitrag Warum ist lesen für mich wichtig?

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