Als ich frühlingshafte Kleinstadtmomente beobachtete

Hello Friend

Liebe Annie,

nachdem die Uhr umgestellt wurde, hatte ich das Gefühl, dass sämtliche Menschen ihre Winterquartiere verlassen haben, um die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen. Besonders fiel mir das am Dienstagabend auf, da ich aufgrund einer Streckensperrung einen kleinen Umweg fahren musste, um mit dem Auto an mein Ziel zu gelangen. Noch in der Woche davor sah man niemanden in den kleinen Gässchen und auf einmal tummelten sich unzählig viele Leute, die den unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgingen. So bemerkte ich zum ersten Mal ein kleines Café und an einer Straßenecke sah ich jemanden auf einem Mauervorsprung sitzen, der über seine Kopfhörer Musik hörte und zusätzlich mindestens zehn CDs in den Händen hielt. #Kleinstadt

Neulich hatte ich eine ganz interessante Konfrontation mit unserer Dialektsprache. Oder der Sprache, die meine Oma früher bei uns zu Hause gesprochen hat. Man weiß es nicht.
Meine Mama erwähnte beiläufig, dass sie im Garten unserer Nachbarschaft jemanden gesehen hat, der mehrere Stunden lang „geblickt“ hätte. Unbedarft wie ich bin, fragte ich sofort: „Wo hat er denn hingeblickt?“, worauf sie mich nur fragend ansah.
Nach ein bisschen hin und her stellte sich heraus, dass wir von verschiedenen Verben sprachen. Sie meinte nämlich Erbsen „blicken“ oder wie auch immer man es schreibt, wenn man ausdrücken möchte, dass man die Erbsen aus ihrer Schale herausholt. Sagt dir dieser Begriff etwas? Ich kenne ihn von früher, der Duden war mir dabei allerdings keine große Hilfe.

Neue Musik gibt es in dieser Woche von Fargo, der am Freitag sein Album Wunderbare Jahre veröffentlichte. Über eine ziemlich lange Zeit hat er uns zusammen mit The Love Bülow die vielleicht schönsten und witzigsten Konzerterinnerungen beschert. Bis sie Ende 2015 bekannt gaben, dass sie musikalisch getrennte Wege gehen werden. Nun ist zumindest eine der Stimmen, die uns begeisterte, mit dreizehn neuen Songs zurück. Du fragtest mich vor ein paar Tagen, wie ich seine Musik denn fände, ohne eine konkrete Antwort zu bekommen. Ich würde ja sagen, es ist erfrischend, doch kommt mir der Begriff mittlerweile so verbraucht vor.
Zu Bandzeiten nannte man es Indie-Rap, diesem Konzept ist er für meine Begriffe treu geblieben. Es ist ein guter Mix aus vielen verschiedenen Elementen wie Pop, Rap, Soul, die aufeinander abgestimmt sind… Ach, was soll ich denn sagen, ich weiß nicht, wie man das nennt und ob man dafür einen Namen braucht. Definitiv kann ich sagen, dass ich das, was Falk auf diesem Album musikalisch fabriziert hat sehr sehr mag.
Mein Lieblingslied bisher? Ganz klar, Karlsson vom Dach, vor allem wegen dem süßen dazugehörenden Video.
Das Album passt perfekt in den Frühling und gibt es überall, wo es gute Musik gibt.

Außerdem hatte ich mal wieder eine Art der paranoiden Anwandlung in Buchform, während ich den Roman Off the record von Eva Pfeiffer las.
Nach den ersten zwanzig Seiten war ich mir sicher, es hätte sich mal wieder jemand hinter uns gesetzt und fleißig Notizen von unseren Gesprächen gemacht. Ich erläutere dir mal kurz, was ich damit meine.
Es geht um Jana, die es aus der Großstadt Berlin in ein Verlagshaus in der Provinz verschlägt, wo sie für zwei Jahre ein Volontariat in der Lokalredaktion machen soll. Keine wirklich erfüllende Aufgabe, findet sie, denn lokale Nachrichten sind vor allem eins: langweilig. Als sie nach einer Woche ihre beste Freundin Maren anruft, um anzukündigen, dass sie zurückkommt, erfährt sie, dass diese sie bereits durch Brian aus Brighton (der, nebenbei bemerkt, in Maren verliebt ist, sie allerdings nicht in ihn) als Mitbewohner ersetzt hat. Zum Bleiben bringt Jana schließlich einer ihrer Volontariatskollegen, der sehr nett zu ihr ist, ihren Blog über Serien „stalkt“, immer genau das richtige sagt und in den sie sich – wie sollte es anders sein – verliebt… Mehr muss ich nicht mehr sagen, oder?
Es hätte also alle Vorraussetzungen mitgebracht, um ein #musstdulesen-Buch zu werden (wenn auch ohne Katze). Leider trog dieser anfängliche Schein, denn die Entwicklung, die der Roman danach machte, war etwas merkwürdig. Es ist sicherlich Geschmackssache, doch kam mir die Sprache teilweise vor als wäre sie einem Aufsatz eines gelangweilter Oberstufenschülers entnommen. Außerdem nimmt die Handlung eine Wendung, die für mein Empfinden etwas zu sehr provoziert konstruiert und aufgesetzt wirkte. (Achtung, je nach Interpretation: Spoiler!) Es kommt nämlich noch zu einem Mord im Verlagshaus, den – natürlich – Jana mal eben im Schlaf aufklärt… So läuft das ja in Lokalredaktionen, kennt man. Zwischendurch gibt es noch das obligatorische Liebeschaos, alles verpackt in der Aussage „Lokaljournalismus ist nicht langweilig, nur nicht für jeden geeignet.“ Ein Buch, das ich schnell wieder vergessen möchte.

Das wars, ich bin raus.

Liebe Grüße,
Lauretta


Wie Annie letzte Woche ihr Leben oder ihren Kleiderschrank umgekrempelt hat, erfahrt ihr in der letzten Hello Friend Kolumne auf Annies Blog!

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4 Gedanken zu “Als ich frühlingshafte Kleinstadtmomente beobachtete

  1. Liebe Lauretta.
    Ich werde das Gefühl von damals nie ganz wieder holen können, aber wenn ich es geschafft habe daran anzuknüpfen bin ich sehr stolz. Ich bleibe dran und mache weiter Musik, die in keine Schublade passt.
    Ich hoffe man sieht sich auf Tour.
    Liebe Grüße, Falk

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Falk,
      ich komme mir wahnsinnig alt vor, wenn ich sage: Alles hat seine Zeit. Wiederholen muss man das also gar nicht, denn das wäre vermutlich irgendwie seltsam. Deswegen können gerne viele neue Erinnerungen entstehen.
      Ich freue mich auf jeden Fall auf alles, was man noch von dir hören wird.
      Es wurde gerade offensichtlich entschieden (wie man mir mitteilte), dass wir dich definitiv am altbekannten Ort auf deiner Tour treffen werden.

      Bis dahin liebe Grüße,
      Lauretta

      Gefällt mir

  2. Hallo Lauretta!
    Du hast wieder eine Menge zu erzählen. 😄
    Das mit dem Dialekt ist immer so eine Sache. Ich stoße dabei auch immer wieder an meine Grenzen mit dem Verständnis und das obwohl ich auch im familiären Kreis Dialekt spreche. Naja, jedenfalls verstehe ich die Urgesteine in meiner Stadt und Umgebung nicht und die hingegen verstehen meinen abgewandelten Dialekt nicht. Und in der Realität, wenn es darum geht Hochdeutsch zu sprechen, schleichen sich dialektalische Wörter und Sätze mit ein, für die ich „ausgelacht“ werden.
    Eigentlich nervt mich das ja, aber es interessiert mich ja auch ganz brennend, wie das mit Sprache und Dialektik funktioniert und wie sich das weiterentwickelt hat.

    So viel dazu.

    Liebe Grüße
    Henrik

    Gefällt 1 Person

    • Dialekte sind wahnsinnig spannend und normalerweise verstehe ich die meisten ohne Probleme. Zumindest dann, wenn mein Gegenüber langsam genug spricht, um verstehen zu können, wo ein Wort aufhört und ein anderes anfängt.
      Bei der beschriebenen Situation habe ich nur überhaupt nicht damit gerechnet, dass es sich um ein umgangssprachliches Wort handeln könnte. Es klingt einfach gleich.

      Lass dich nicht für deine Sprache auslachen. Sie in wenigen Worten zu erhalten, ist einiges wert. Heutzutage ist es, finde ich, ein guter Mix aus alten und neuen Worten, sodass man immer merkt, wie wandelbar und entwicklungsfähig Sprache doch ist.

      Liebe Grüße,
      Lauretta

      Gefällt mir

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