Froh dabei zu sein.

Poisel

Die ersten Sonnenstrahlen, die durch die Schlitze des Rollladen blitzen. An einem neuen Tag älter und erwachsen werden. Die Hoffnung, alles erleben zu können. Aus dem Fenster auf die noch leeren Straßen blicken. Ein Kuss auf die Stirn und eine Umarmung, die einen dazu verleitet, am liebsten im Bett bleiben zu wollen. Die Geborgenheit spüren. Der Nachbar, der seine Autotüren zuknallt als hätte er mindestens zehn davon. Der Duft von warmen Waffeln, Schokosoße und frisch aufgebrühtem Tee. Sich ausgeschlafen und glücklich fühlen. Der Schlüssel, der nie da liegt, wo man ihn zuletzt gesehen hat. Der Brief, den man erhält und neue Perspektiven schafft. Der Stolz, den man für andere empfindet. Die Frage, ob man alle Zutaten für’s Abendessen zu Hause hat.
Vorbeiziehende Menschen, die einen kaum beachten, während man sich voneinander verabschiedet. Der Weg zur Arbeit, der immer länger dauert als geplant. Die völlig überfüllte Bahn, mit der man trotzdem täglich fährt. Im Sommer über weite Felder gehen, ohne einen vorgegebenen Weg zu haben. Im Winter das gleiche machen, wenn der erste Schnee gefallen ist. Die ältere Frau auf der Parkbank, die einem ein Lächeln schenkt. Der eigenen Schwester eine Nachricht schreiben, um ihr einen schönen Tag zu wünschen. Der Wunsch, nicht alleine zu sein.
Durch den Regen laufen. Bemerken, dass man den Schirm vergessen hat. Der Typ, gegen den man rennt, da man einen Augenblick unachtsam war. Ein paar entschuldigende Blicke und die Einladung eines alten Bekannten, die man einfach nicht ausschlagen kann. Ein nettes Kompliment annehmen. Das Gespräch, das einen an Orte führt, die man längst vergessen hatte. Die Hand, die einen hält, um ein Stück miteinander zu gehen. Die man vielleicht auch wieder verliert. Der arbeitsintensive, aber erfolgreiche Alltag. Die Angst vor der Zukunft, die einen manchmal nicht schlafen lässt. Die Träume, für die sich das Aufwachen lohnt.
Die Freundin, die das gemeinsame Kaffee trinken zu einem nachmittäglichen Ritual werden lässt. Die Fähigkeit, zuzuhören, aber sich auch zu öffnen. Das Kleinkind, dem man wieder aufhilft, nachdem es vom Fahrrad gefallen ist. Die Schäfchenwolken, die man zählt und zu denen man sich fantasievolle Geschichten ausdenkt. Den Tag mit einem entspannten Spaziergang durch den Park und der passenden Musik auf den Ohren ausklingen lassen.
Die Situation, in der man am liebsten jemand anderes wäre. Müde sein und in gewohnte Arme fallen. Das Kribbeln im Bauch, wenn einem unerwaret das Lieblingsessen gekocht wird. Die Zuversicht, dass alles gut wird. Die neuen Schuhe, die zwar schön aussehen, aber nach einem langen Tag unbequem geworden sind. Die Kleinigkeiten, über die man sich streitet, um sich nach zwei Minuten versöhnt in den Armen zu liegen. Das Konzert, das man am Abend vorher besucht hat. Die Fotosammlung, die man auf dem Handy hat und alle schönen Momente zusammenfasst. Die Liebe. Die Gewissheit, das viel Geld nicht alles ist, solange es zum Leben reicht.
Beste Freunde, die da sind, wenn alles zusammenzufallen droht. Sich bewusst sein, dass man manchmal Menschen verliert. Jemanden vermissen. Zulassen, auch mal traurig zu sein.
Ankommen und zu Hause sein. Der Moment, in dem man merkt, dass es auf diese Kleinigkeiten ankommt. Sich bewusst sein, dass man irgendwann gehen muss. Bis dahin jeden Tag zu genießen und kostbar werden zu lassen. Dieses Geschenk annehmen.

Ich bin #frohdabeizusein! Du auch?

Ich hab furchtbar Angst vorm Tod,
Ich hoff‘ wir sind dort nicht allein,
Auch wenn das Leben manchmal traurig ist,
Bin ich froh, froh dabei zu sein.

Philipp Poisel – Froh dabei zu sein

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2 Gedanken zu “Froh dabei zu sein.

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