Walking on Sunshine.

Dass Frauen von Schuhen magisch angezogen werden, sagt das Klischee. Bei mir ist schlichtweg das Gegenteil der Fall. Denn, wo andere ein ganzes Zimmer voller Schuhe haben, habe ich ein Paar, das ich immer trage. Schuhe, die mir gefallen, befinden sich meistens an den Füßen anderer Menschen. Um etwas Passendes für mich zu finden, können schon mal ein paar nervenaufreibende und frustrierende Tage in extrem vielen Schuhgeschäften vergehen. Manchmal wird sogar eine Tragödie in mehreren Akten daraus. Doch ist dieses eine Schuhexemplar endlich gefunden, besteht eine Bindung für die Ewigkeit. Oder eben solange, bis die Sohle ausgelaufen ist, der Schnürsenkel abreißt oder ich sie einfach nicht mehr sehen kann. Dann nützen sie nur noch etwas für Spaziergänge am Strand.

Vor ein paar Wochen war ich wieder unterwegs, um neues Schuhwerk zu begutachten. Wider erwartend wurde es zu keinem Desaster, denn ziemlich schnell kristallisierte sich heraus, dass es ein Schuh von adidas sein würde. Das letzte Mal, das ich diese Marke getragen hatte, war schon eine Weile her. Da stand ich nun in einem ausgewählten Laden vor jenem Exemplar, das ich mit 14 wirklich geliebt hatte: Superstar. Jeder hatte sie; mit dicken Schnürsenkeln, die locker saßen und man nicht mehr binden musste. Mit ihnen habe ich mich zum ersten Mal verliebt und wieder entliebt, überstand Klassenfahrten, kletterte das Felsenmeer hoch und während kleiner Sprints zur Straßenbahn haben sie mich nie enttäuscht. Ich trug sie mit Stolz und zusammen haben wir so manche zu lange Jeans abgetreten und ausgefranst. Genau wie es sein musste.

The shooting star shining down on your face
Dancing on the moonlight with you
You keep me calm when I’m observing this grace
You keep me on my toes with your moves

Jamie Lawson – Can’t See Straight

Fast hätte ich mich, aufgrund all dieser Nicht-Enttäuschungs-Momente, dazu verleiten lassen, dieses Schuhmodell ein weiteres Mal zu kaufen. Die Vorstellung war verlockend, es wäre so einfach gewesen. Ich müsste nicht mehr länger nach DEM Schuh suchen, keine Frustrationen mehr ertragen oder bei jedem weiteren Schuhpaar überlegen, ob ich meinen Toleranzbereich doch etwas weiter nach unten schrauben könnte. Dabei hätte ich sogar die Tatsache, dass ich es eigentlich merkwürdig fand, wenn ich sie immer noch bei Gleichaltrigen entdeckte, geflissentlich ignoriert. Obwohl dieser Trend nicht mal aus meiner Teenagergeneration stammte, sondern in den 70ern auf dem Basketballfeld entstanden war.
Aber wollte ich wirklich durch den letzten Sommer meiner 20er in einem Schuhrevival gehen? Wohlgemerkt einem, das fünfzehn Jahre her war? Irgendwie kam mir das ein bisschen zu retro vor. Wie sagt man so schön: Aufgewärmter Kaffee schmeckt nicht.
Die Liebe, die ich vor so vielen Jahren einmal verspürt hatte, war von jugendlichem Leichtsinn geprägt. Alles zum ersten Mal erleben, Risikobereitschaft und viel Gefühl. Aber ich bin nicht mehr dieses kleine Mädchen mit der Zahnspange, sondern erwachsen geworden. Ein Weg, auf dem mich meine Superstars unterstützt haben. Das bedeutete aber auch, ich musste eine verantwortungsbewusste Entscheidung treffen. Es hätte doch nur in einem Verzeweiflungskauf geendet, den ich nach ein paar Tagen bitter bereut hätte.

Vielleicht, liebe Superstars, konnte ich euch nur einmal in meinem Leben tragen. Jetzt brauchte ich etwas Neues, was aktuell zu mir passt.

Schuhe

Daraufhin fiel mein Blick auf ein neues Modell, was meinem vorherigen Favoriten von der Form her nicht ganz unähnlich ist: Gazelle. Gazellen, das sind diese Tiere, die leichtfüßig durch Gebirgslandschaften hüpfen und sich dadurch auszeichnen, nie den Halt zu verlieren.
Das ist nun der Punkt, an dem jeder, der mich kennt, eventuell stutzig wird. Warum das zu mir passt? Ich bin schließlich dafür bekannt, nie den Boden unter den Füßen zu verlieren und spektakuläre Stunts, bei denen ich irgendwo herunterfalle, sind ausgeschlossen. Gut, möglicherweise passiert mir genau das ständig… Vielleicht hilft es ja, um die nächste Zeit ohne diese selbstzerstörerischen Taten zu überstehen? Von diesem Paar war ich jedenfalls ganz verzückt und musste es kaufen. Sie passten auf Anhieb, drückten nirgendwo und ich wollte sie nicht mehr ausziehen.
Auf viele exzellente Wagnisse und einen guten Abschluss meiner 20er!

 


Habt ihr auch solche Schuhgeschichten?

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