London der 60er Jahre.

Sommer

Für diesen Sommer hatte ich mir im Vorfeld einiges an Büchern vorgenommen. Sogar extra eine Liste an sorgfältig ausgewählten Titeln hatte ich geschrieben. Dabei sollte ich eigentlich wissen: Beim Lesen bin ich absolut kein Typ für Listen. Deswegen kam es, wie es kommen musste. Ich habe nur ein einziges Buch davon gelesen. Andere Romane zogen meine Aufmerksamkeit auf sich und sorgten mit ihren Geschichten stattdessen für meine literarische Unterhaltung.


Wir sind das Format Sitcom aus dem täglichen Fernsehprogramm gewohnt. Für mich war es früher wie ein allabendliches Ritual, zu dem die Familie vor dem Fernseher zusammentraf. Ob nun Die Nanny, Alle unter einem Dach, Der Prinz von Bel Air oder Golden Girls, alle Charaktere dieser Sitcoms verstanden es auf ihre Weise uns jahrelang zu unterhalten. Heute ist es fast schon ein bisschen langweilig geworden, während man sich die Frage zu stellen scheint, wie viele Folgen von The Big Bang Theory man an einem Tag im Sendeverlauf unterbringen kann.

Miss Blackpool von Nick Hornby katapultierte mich direkt in die 60er Jahre, als das Fernsehen noch schwarz-weiß war. Die Protagonistin Barbara führt charmant durch eine Zeit, in der das Konzept der Sitcom noch etwas ganz Neues war und sich die Zuschauer erst daran gewöhnen mussten. Vor allem an eine Frau in der Hauptrolle, die deutlich geistreicher als ihr männliches Pendant ist.
Auf direktem Weg wagt Barbara den Schritt von der Kleinstadt in ein turbulentes London, um Komikerin zu werden. Für damalige Verhältnisse könnte man fast sagen, dass dieser Plan etwas zu ambitioniert ist, doch man merkt schnell, dass sich ihre komplette Art gegen das damalig vorherrschende Rollenbild sträubt. Sie will zeigen, dass eine Frau nicht nur schön, sondern auch sehr wohl witzig sein kann.
O
bwohl der Titel im Original Funny Girl lautet, ist diese Geschichte nicht lustig. Anstelle von komischen Pointen besitzt Nick Hornby den nötigen Tiefgang, um die Facetten und Themen der damaligen Zeit widerzuspiegeln. In drei Staffeln und einer Reunion wird das Leben hinter den Kulissen der BBC Produktion von Barbara (die später den Künstlernamen Sophie annimmt), Clive, der männlichen Hauptrolle, Dennis, dem Produzenten, Tony und Bill, den Drehbuchautoren, mit der gedrehten Serie vermischt. Besonders spannend dabei ist, dass die Handlung zwar wie gewohnt auf der Protagonistin aufgebaut ist, der Fokus allerdings nicht allein auf ihr liegt. Die Gedanken und Gefühle der anderen handelnden Personen sind dem Leser genauso bekannt, wodurch eine Vielzahl an Problematiken angesprochen und genauer ausgeführt werden können. Themen wie unglückliche und gescheiterte Ehen, zerplatzte Träume, Minderwertigkeitskomplexe oder die Strafbarkeit von Homosexualität werden weitaus vielschichtiger dargelegt als es bei alleiniger Betrachtung von Barbaras Leben möglich gewesen wäre.
Trotzdem werden persönliche oder gesellschaftliche Entscheidungen niemals angeklagt und die Leichtigkeit der Erzählung geht bis zum Schluss nicht verloren.
Hinzu kommt noch die erforderliche Prise Glamour durch Referenzen zeitgenössischer Filmdarsteller.


Link zum Hörbuch

Alle Sommerbücher auf einen Blick

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