Kann das weg oder wird das noch gebraucht?

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Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich den Sommer dieses Jahres wirklich vermissen werde. Denn es war einer von denen, an die ich mich immer erinnern werde. Nicht nur, weil es der letzte meiner 20er Jahre war, sondern weil er wirklich schön war. Die letzten Monate waren voller kleiner Überraschungen und vieler neu erlebter Momente, die mich mit ihrem Charme wieder eingefangen haben. Hinzu kommen all die tollen Menschen, mit denen ich diese Erlebnisse geteilt habe.
So sehr ich mir auch ein paar Tage mehr Sommer wünschen würde, bin ich viel zu sehr ein Herbstmädchen, um es nicht zu genießen, dass der Herbst endlich wieder da ist. Ich koste die kühlen Tage mit Spaziergängen durch die farbenfrohe Landschaft aus, selbst wenn der Wind die perfekt geföhnten Haare zerstört.

In diesen anfänglich kälteren Tagen verspüre ich – ähnlich wie Frühlingsmenschen – den Drang, überflüssige Dinge wegzuschmeißen. Ein bestimmtes Ziel habe ich dabei meistens nicht. Ich entscheide aus einer Laune heraus, dass irgendwas weg muss und alles, was mir darüber hinaus noch unter die Finger kommt, muss nach kurzer Begutachtung ebenfalls dran glauben. Meistens kann man dann nur hoffen, dass ich es nicht irgendwann doch noch brauche. (Das kam allerdings noch nie vor.) Ist der ganze Kram erstmal entsorgt, fühle ich mich richtig gut und befreit. Außerdem ist dann wieder mehr Platz da, um andere Dinge unterzubringen und neu zu verteilen.

Für meine Ausmist-Aktion er letzten Tage wurde mein Kleiderschrank auserkoren. Bei allem, was ich so gefunden habe, kann ich nur sagen: Es war nötig.
Kennt ihr das, wenn ihr Dinge in eurem Schrank findet, deren Berechtigung ihr hinterfragt? Zum Vorschein kamen nämlich einige Kleidungsstücke, die ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen und nochmal genauso lange nicht getragen habe. Das wäre mir wahrscheinlich gar nicht so bewusst geworden, würde nicht die Fotokollage der Berlinreise meines 19jährigen Ichs an meiner Wand genaue Auskunft darüber geben.
Dass viele, nun entsorgte Klamotten aus modisch anderen Zeiten stammen mussten, beweist vielleicht die halb-entsetzte Aussage meiner Lieblingsnichte mit Lachtränen in den Augen: „Warst du da als Clown verkleidet?“ Eventuell. Was sonst hätte ich antworten sollen, während ich kurz heimlich darüber nachdachte. Mode ändert sich eben und vielleicht ist es ganz gut, dass mit Flicken bestickte Hosen nicht mehr modern sind. Oder kommt das mal wieder? Ich hätte da eine, mit passendem Oberteil versteht sich…
Wirklich entsetzt war ich erst, als ich bei den Oberteilen angekommen war, die ich noch vor einem Jahr getragen habe und aufgrund von Hässlichkeit aussortieren musste. Mit denen hatte ich mich schließlich bis vor kurzem noch gut gefühlt. Und plötzlich bleibt nur die Frage, ob die schon immer so komisch an mir runtergehangen haben? Vermutlich. Die werden ja nicht urplötzlich unförmig.
Bei einigen anderen Teilen war mir sogar die Existenz überhaupt nicht mehr bewusst. Wann ich die also an hatte – keine Ahnung. Ohne einen Fotobeweis kann ich bei dem einen oder anderen sogar so tun, als wäre es nie der Fall gewesen. So wie bei dieser Hose, in die man locker das Bein eines Elefantenbabys hätte hineinstecken können. Wann soll mir das denn bitte gepasst haben? Wie hoch war mein Frustrationsgrad, dass sich dieser Kauf gerechtfertigt hatte? Und auch wenn ich beim Aussortieren lachte, hätte ich innerlich weinen können, denn irgendjemand hat mich bestimmt in dieser Hose gesehen und wird sich erinnern.

Das Positive, was am Ende des Tages, als ich alle mittelschweren Katastrophen aus dem Kleiderschrank entfernt hatte, überwogen hat, waren all die Outfits, die ich viel zu lange nicht mehr getragen habe. Eins weiß ich jetzt schon: Der Herbst wird schön!
Die anderen Sachen kommen natürlich nicht in den Müll, also nicht alle, sondern werden zur Altkleidersammlung gebracht. Möge jemand anderes mit der Elefantenbabyhose glücklich werden!

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