Als ich tanzte, weil das die besseren Worte waren

Hello Friend

Liebe Annie,

Ich habe nun sehr lange auf das weiße Dokument gestarrt und gewartet, dass meine Finger anfangen, auf der Tastatur die Worte zu tippen, die erklären und ausdrücken, was ich in den letzten Tagen gefühlt habe. Aber ich bin sprachlos und vor allem fassungslos. Auf das, was beim Konzert von Ariana Grande in Manchester passiert ist, kann man sich nicht vorbereiten und erst recht nicht gewöhnen. Es wurde so viel mehr zerstört als auf den ersten Blick zu erkennen wäre. Diese Tränen und Wunden werden sich lange nicht trocknen lassen. Trotzdem war es tröstend zu sehen, wie gemeinsam mit dieser Tragödie umgegangen wurde.
Eigentlich habe ich nur eines zu sagen: Hört auf damit, so grausam zu sein. Hört einfach auf. Man sollte nämlich überhaupt keine Angst haben müssen, dass irgendjemand, den man liebt, nicht mehr nach Hause kommt – egal, wo man hingeht und auf welchem Teil der Erde man lebt. Aber leider ist es nicht so einfach und die Konflikte, die ausgetragen werden, sind weitaus verfahrener und komplizierter. Weiterlesen

Eine zweite Chance nach dem Plagiat?

Das Ausgangsproblem

Am Wochenende fand die Love Letter Convention in Berlin statt. Unter den vielen teilnehmenden Autorinnen befand sich in diesem Jahr auch Martina Gercke, die sich dort bei einer Diskussionsrunde mit ihren Werken als Selfpublisherin präsentierte.
Erstmal ist daran gar nichts weiter schlimm und doch erhitzte genau diese Tatsache die Gemüter einiger anwesender und nicht anwesender Blogger, wie man im Artikel auf kielfeder-blog.de nachlesen kann. Hier stellt Ramona die Frage, ob es richtig wäre, nach einigen Jahren zu ignorieren, dass eine Autorin Textstellen für ihren Roman kopierte und „vergessen“ habe, sie wieder zu entfernen.
Ich hatte damals (2012) zwar von dem Fall gehört und auch ein paar Artikel darüber gelesen, mir aber im Nachhinein keine Gedanken mehr gemacht. Um ehrlich zu sein, hatte ich es bis die Diskussion erneut auf ihn gelenkt wurde, sogar komplett vergessen. Ich habe noch kein Buch von dieser Autorin gelesen und werde es mit Sicherheit auch zukünftig nicht machen. Warum? Weil es mich nicht interessiert und mir in den ganzen Jahren, in denen ich meiner Leseleidenschaft schon nachgehe, keines ihrer Bücher inhaltlich ins Auge gefallen ist oder von anderen Lesern vorgeschlagen wurde. Kurz gesagt, sie ist mir als Schriftstellerin nie aufgefallen. Aufgrund all der Kritik auf Twitter, in Blogeinträgen und Kommentaren habe ich dennoch darüber nachgedacht, wie ich generell dazu stehe.
Weiterlesen

Als Internetseiten noch rein statisch waren

Hello Friend

Liebe Annie,

deine letzte Kolumne ergänzt sich mit meinem Text, der damals dazu führte, dass wir mit diesen Briefen begannen. Manchmal treffen wir Entscheidungen, ohne zu wissen, wohin sie uns eigentlich führen. Damals hatte ich tatsächlich ein bisschen Angst davor, dass sich zwischen uns einiges ändern könnte, würde ich einen Schritt zurückgehen – oder besser gesagt, einen Schritt weg von dem, was uns verbindet. Doch du bist diesen Schritt ohne langes Überlegen einfach mitgegangen. Dadurch wurde mir wieder einmal bewusst, dass eine beste Freundin zu haben, mehr bedeutet als nur das gleiche Hobby zu teilen. Dort, wo du bist, wird man auch mich finden.
Es hat mich sehr berührt, denn wir hatten damals wirklich sehr viel Spaß. Andererseits haben wir uns in den ganzen Jahren, die mittlerweile dazwischenliegen, verändert, sodass wir vielleicht gar nicht mehr zu der damaligen Umgebung passen würden. Falls also Hermine mal mit ihrem Zeitumkehrer vorbeikommt, wäre es vielleicht besser, einfach im Jetzt zu bleiben und die Abenteuer zu erleben, die noch auf uns warten.

Trotzdem war auch ich in der letzten Woche ein kleines bisschen nostalgisch veranlagt, denn ich habe mein CD Regal nach meiner ersten selbst gekauften CD durchsucht. Beim Anblick der vielen alten Scheiben, auf die man meine damaligen Lieblingsstücke gepresst hat, kamen mir Erinnerungen, die schon extrem lange zurückliegen. Früher war es quasi eine Auszeichnung eines dieser Alben zu besitzen. Kann man heutzutage, im Zeitalter der Streaming Dienste, überhaupt noch jemanden damit beeindrucken, dass man dieses eine Album eines bestimmten Künstlers hat? Früher gab es den Zugang zu all den vielen Liedern gar nicht, sodass man seinen Musikgeschmack über den Besitz dieser definierte. Weiterlesen

Es riecht nach Regen.

IMG_1729

Foto von Nora Janine Strupp

oder: Ich gehe, um wiederzukommen. Part II

„Hör dem Mann zu!“, sagte meine beste Freundin während des Konzerts und sah mich dabei eindringlich an. Das tat sie immer bei einem dieser Lieder, deren Aussage war, dass man an sich selbst glauben solle. Mir kam es vage bekannt vor. Aber es war jemand völlig unbekanntes, der es dieses Mal erzählte.
KrisKraus sang von rollenden Steinen und dass man derjenige sein könnte, auf den es ankäme. In diesem Moment hat mein Herz endlich wieder etwas verstanden.

Heute ist einer dieser Tage, an denen man die Stunden nutzen kann, um abzuschalten. Ich öffne das Fenster und es riecht nach Regen. Beruhigend monoton prasselt er auf die Straße. Am Bordstein bildet sich ein kleines Rinnsal, das sich einen Weg bis zum nächsten Abfluss sucht. Ich stelle mir immer gerne vor, dass vom Regen alles, was man nicht mehr braucht, – auch ein schlechter Gedanke – einfach weggespült wird. Das trommelnde Geräusch vermischt sich fließend mit dem Rhythmus einzelner Titel der Playlist, die ich leise im Hintergrund laufen lasse. Die dadurch entstehende, gemeinsame Melodie ist das Einzige, das ich bewusst wahrnehme. Ansonsten kommt mir alles wahnsinnig still vor, was ich durch die letzten, ereignisreichen Tage fast gar nicht mehr gewohnt bin. Trotz der melancholischen Szenerie bin ich alles andere als traurig. Nicht mehr. Weiterlesen

Als der April Musikliebemomente und neue Namen brachte

Hello Friend

Liebe Annie,

in der Kolumne ist es in den letzten Wochen ein wenig still geworden, was aber nicht daran lag, dass es nichts zu erzählen gab, sondern schlicht und einfach die Zeit fehlte, genau das zu tun. In diesem Brief habe ich die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst.

Der April brachte ein paar Neuerungen mit sich und so war es Zeit für neue Namen. In eingeweihten Kreisen nennt man mich anscheinend nun Laurentius. Wenn ich mir jemals vorstellen könnte unter einem Namen berühmt zu werden, dann selbstredend unter diesem… Oder auch nicht, denn eigentlich gefiel mir Lauretta immer ganz gut und #neinLaura hat doch auch schon einen gewissen Anklang gefunden. Aber so ist das eben mit den Ruf- und Spitznamen: Man kann sie sich leider nicht aussuchen, die Situation bringt sie mit sich.
Du hingegen hast deinem Blog einen neuen Namen und ein neues Design verpasst. So wurde aus Kleinstadthipster kurzer Hand Miss Micropolitan. Die beste der besten findet ihr nun unter folgendem Link: https://missmicropolitan.wordpress.com.
Weiterlesen