Eine zweite Chance nach dem Plagiat?

Das Ausgangsproblem

Am Wochenende fand die Love Letter Convention in Berlin statt. Unter den vielen teilnehmenden Autorinnen befand sich in diesem Jahr auch Martina Gercke, die sich dort bei einer Diskussionsrunde mit ihren Werken als Selfpublisherin präsentierte.
Erstmal ist daran gar nichts weiter schlimm und doch erhitzte genau diese Tatsache die Gemüter einiger anwesender und nicht anwesender Blogger, wie man im Artikel auf kielfeder-blog.de nachlesen kann. Hier stellt Ramona die Frage, ob es richtig wäre, nach einigen Jahren zu ignorieren, dass eine Autorin Textstellen für ihren Roman kopierte und „vergessen“ habe, sie wieder zu entfernen.
Ich hatte damals (2012) zwar von dem Fall gehört und auch ein paar Artikel darüber gelesen, mir aber im Nachhinein keine Gedanken mehr gemacht. Um ehrlich zu sein, hatte ich es bis die Diskussion erneut auf ihn gelenkt wurde, sogar komplett vergessen. Ich habe noch kein Buch von dieser Autorin gelesen und werde es mit Sicherheit auch zukünftig nicht machen. Warum? Weil es mich nicht interessiert und mir in den ganzen Jahren, in denen ich meiner Leseleidenschaft schon nachgehe, keines ihrer Bücher inhaltlich ins Auge gefallen ist oder von anderen Lesern vorgeschlagen wurde. Kurz gesagt, sie ist mir als Schriftstellerin nie aufgefallen. Aufgrund all der Kritik auf Twitter, in Blogeinträgen und Kommentaren habe ich dennoch darüber nachgedacht, wie ich generell dazu stehe.
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Überall nur noch Fanfiction?

… oder: Wie die Grenzen zwischen literarischer und realer Welt verschwimmen.

In den letzten Wochen habe ich mich öfter gefragt, woher eigentlich die Ideen und die Inspiration vieler Geschichten kommen, die heutzutage geschrieben werden. Dabei ist mir ein Trend aufgefallen, den es in der Form vielleicht erst seit kurzem gibt. Aus Fanfictions, die es noch vor einigen Jahren nur auf Internetplattformen gab, entstehen gedruckte Bücher, die es über die Buchhandlungen bis in die eigenen Regale schaffen. Aus bereits bekannten Figuren oder Personen, die man entweder übernehmen oder charakterlich verändern kann, werden neue Zusammenhänge und Handlungsstränge konstruiert. Am Aussehen der handelnden Personen beziehungsweise ihren prägnanten Merkmalen wird meistens nichts geändert. Pinterest macht es möglich, dass man sich ein noch besseres optisches Bild machen kann. Pins von Schauspielern oder Sängern landen auf den Storyboards, die dem Leser eine genaue Ergänzung geben wie ein beschriebener Charakter zu sein hat. Und das sogar über den eigentlich geschriebenen Text hinaus. Weiterlesen

Ich breche (meistens) keine Bücher ab.

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Wenn mehrere Buchblogger in einer Runde zusammenstehen, kommt erfahrungsgemäß eine bestimmte Frage mindestens einmal zur Sprache und wird diskutiert. Außerdem findet man in regelmäßigen Abständen einen Beitrag auf den vielzähligen Blogs. Es ist und bleibt also ein aktuelles Thema, zu dem immer wieder unterschiedliche Meinungen zusammengetragen werden. Die Frage, um die es geht, lautet: Ob man Bücher abbrechen darf? Weiterlesen

Als ich mich auf die Suche nach Inspiration begab

Hello Friend

Liebe Annie,

ich hoffe, du hattest genug Zeit, um dein Geisterhaus-Trauma zu verarbeiten? Was man die sogenannte „Kerb“ nennt, hat dieses Wochenende bei uns Halt gemacht (vermutlich ohne solch eine verstörende Attraktion). Deswegen habe ich die Familie weggeschickt, um dir entspannt schreiben zu können. Weiterlesen

Der erfundene Autor

Autoren nehmen für mich im Bezug zur Buchmesse eine wichtige Stellung ein, da sie dort die Möglichkeit bekommen durch Lesungen, Autorgrammstunden und persönliche Gespräche  mit den Lesern in Kontakt zu treten; und umgekehrt. Es findet ein Austausch statt von dem beide Seiten profitieren. Aber was, wenn es den Autor, von dem man glaubt, dass er die Bücher schreibt, gar nicht gibt?
Nachdem ich gestern schon meine Rezension zu Nicolas Barreaus Roman „Eines Abends in Paris“ veröffentlicht habe, war es mir wichtig im Folgenden auf diesen einen wichtigen Punkt einzugehen. Außerdem wollte ich die Rezension davon trennen, da ich das Buch sehr mochte und nicht riskieren wollte, dass die Geschichte des Romans aufgrund der äußeren Bedingungen vollkommen untergeht. Auch, wenn es sich nachhaltig meine Sichtweise auf weitere Romane speziell von Nicolas Barreau auswirkt.
Dabei beziehe ich mich auf diesen Artikel:

Den Autor Nicolas Barreau gibt es nicht! Er sei eine bloße Erfindung. Das sagt zumindest der obengenannte Artikel und versucht Erklärungen zu liefern – sehr plausibel, wie ich finde. Im ersten Moment war ich entsetzt. Damit hat der Roman, den ich kurz vorher fertig gelesen hatte, – und von dem ich begeistert war – seinen Zauber verloren.

Ich erinnere mich genau, wie ich gegenüber meiner Schwester ein paar Wochen zuvor geschwärmt habe, dass ich die französische Übersetzung aus den deutschen Worten heraushören könne. Doch es gab nie einen französischen Text. Das finde ich eigentlich noch mit am schlimmsten.
Die Tatsache, dass dieser sprachlich so wohlklingende Autor eine Frau sein soll, wäre nicht tragisch – unter einem Pseudonym zu schreiben ist nicht schlimm. Da findet man sogar unter den Klassikern der Weltliteratur etliche Beispiele. Literatur und der Zauber der Verschleierung gehören manchmal zusammen – wenn das Werk es erfordert.
Beispielsweise stand auf der Originalausgabe des Abenteuerromans „Robinson Crusoe“ als Referenz zum Autor „written by himself“. Natürlich wissen wir alle, dass er aus Daniel Defoes Feder stammt. Oder Karl May, der seine Romane so geschrieben hat, als hätte er selbst all die Abenteuer seiner Hauptfigur erlebt. Er hat die Orte, von denen er geschrieben hat, erst in einem späteren Lebensabschnitt selbst gesehen; vorher hatte er nur ausführlich darüber gelesen. Weiterhin ist mittlerweile bei einigen weiblichen Autorinnen bekannt, dass sie sich männliche Pseudonyme zugelegen mussten, damit sie in ihrer Zeit gelesen wurden. Ob man davor heute noch zu fürchten hätte, im Genre Liebesroman?
Dass, im jetzigen Fall, diesem „Mann“ ein kompletter Lebenslauf mit Bild angefügt und durch die Bücher publiziert wurde, ist allerdings eine extreme Form des Pseudonyms. Zumal wenn die „Übersetzerin“ ebenfalls ein Pseudonym ist, hinter dem sich die Lektorin und eigentliche Autorin aller Nicolas Barreau Romane verbirgt.
Das ist selbst mir ein bisschen viel Illusion, zum kommerziellen Zweck. Die einfache Nennung eines anderen Autorennamnen wäre ausreichend gewesen. Mag sein, dass es von der Seite eines Verlags gute marketingtechnische und kostensparende Gründe für ein solches Vorgehen gibt. Trotzdem denke ich, dass man die Frage nach der Literatur nicht vergessen darf: Was hat das mit dem eigentlichen Gedanken der Literatur zu tun? Mit Literatur, die sich augenscheinlich von einem „Groschenroman“, bei dem der Autor absolut egal ist, abheben will?
All dem ist die Frage übergeordnet: Wie authentisch ist es, wenn man mit falschen Behauptungen Authentizät schaffen möchte?
Für mich leidet hier neben der Authentizität ebenso die Qualitätssicherung. Ein guter Roman, der von einer deutschen Autorin geschrieben wurde, und ein Roman von einem französischen Autor – die beide ihre Handlung in Paris stattfinden lassen – können vollkommen gleichwertig sein. Der eine muss nicht zwangsläufig aufgrund des Autorennamens authentischer sein als der andere.
Als Leser eines Romans möchte man das Recht behalten, zu wissen mit was man es zu tun hat. Mit einem Originaltext oder einer Übersetzung. Denn allein die Tatsache, dass es einem Verlag wert ist einen fremdsprachigen Text übersetzen zu lassen, um ihm damit einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, schafft in meinen Augen einen Qualitätsanspruch an den Text. Das bedeutet wiederum nicht, dass die Qualität eines deutschsprachigen Textes damit sofort sinkt.
Ich hätte „Eines Abends in Paris“ definitiv auch gelesen, wenn Daniela Thiele auf dem Cover stehen würde. Genauso gerne, wie wenn Nicolas Barreau ein „echter“ Franzose wäre, da mich der Klappentext des Buches überzeugt hat, nicht die angebliche Herkunft seines Autors. Jedoch wirft ein erfundener Autor einen tiefen Schatten über diesen Roman und alle anderen.

Der Artikel schneidet noch eine weitere, ganz interessante Sache an: Was ist, wenn der literarische Trend im nächsten Jahr zu einem anderen Land hingeht?
Führt das nicht zwangsläufig zu einer in extremer Weise belanglosen Literatur, die nur noch kommerziell unterhält und überhaupt keinen Gehalt mehr hat?