Es riecht nach Regen.

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Foto von Nora Janine Strupp

oder: Ich gehe, um wiederzukommen. Part II

„Hör dem Mann zu!“, sagte meine beste Freundin während des Konzerts und sah mich dabei eindringlich an. Das tat sie immer bei einem dieser Lieder, deren Aussage war, dass man an sich selbst glauben solle. Mir kam es vage bekannt vor. Aber es war jemand völlig unbekanntes, der es dieses Mal erzählte.
KrisKraus sang von rollenden Steinen und dass man derjenige sein könnte, auf den es ankäme. In diesem Moment hat mein Herz endlich wieder etwas verstanden.

Heute ist einer dieser Tage, an denen man die Stunden nutzen kann, um abzuschalten. Ich öffne das Fenster und es riecht nach Regen. Beruhigend monoton prasselt er auf die Straße. Am Bordstein bildet sich ein kleines Rinnsal, das sich einen Weg bis zum nächsten Abfluss sucht. Ich stelle mir immer gerne vor, dass vom Regen alles, was man nicht mehr braucht, – auch ein schlechter Gedanke – einfach weggespült wird. Das trommelnde Geräusch vermischt sich fließend mit dem Rhythmus einzelner Titel der Playlist, die ich leise im Hintergrund laufen lasse. Die dadurch entstehende, gemeinsame Melodie ist das Einzige, das ich bewusst wahrnehme. Ansonsten kommt mir alles wahnsinnig still vor, was ich durch die letzten, ereignisreichen Tage fast gar nicht mehr gewohnt bin. Trotz der melancholischen Szenerie bin ich alles andere als traurig. Nicht mehr. Weiterlesen

Zwischen der Zeit

Es ist drei Uhr morgens und ich sitze mit einer Tasse warmem Tee am Fenster. Ich betrachte die leere Straße vor mir, die nur von den Laternen beleuchtet wird. Es ist ein vertrautes Bild, denn diesen Ausblick habe ich schon zu jeder Jahreszeit gesehen. Als Kind habe ich sie mit bunter Kreide verschönert. Dort habe ich Fahrrad und Inliner fahren gelernt und mir das erste Mal mein Knie aufgeschürft, als ich mit den Jungs Fußball spielte. Die Narbe sieht man heute noch. Es ist die Straße, auf der ich Freunde gefunden habe, mit denen ich eine unbeschwerte Kindheit genießen konnte. Weiterlesen